Die israelische Sängerin Maureen Nehedar, geboren im iranischen Isfahan, sorgt derzeit für Aufmerksamkeit wegen der bewussten künstlerischen Entscheidung, in Israel auf Persisch zu singen, einer Sprache, die im aktuellen politischen Klima oft als «Sprache des Feindes» gilt. Gerade in Zeiten wachsender Spannungen zwischen Israel und Iran erhält ihr Werk eine neue Aktualität. Nehedars Biografie ist eng mit der Geschichte des Iran verbunden. Die islamische Revolution riss ihre Familie auseinander und führte zur Emigration nach Israel. Dennoch blieb die persische Kultur ein zentraler Teil ihrer Identität. In ihrer Musik verbindet sie traditionelle persische Dichtung mit jüdisch-religiösen Texten und moderner Interpretation. Dabei geht es ihr nicht um Nostalgie, sondern um eine bewusste Auseinandersetzung mit Herkunft und Erinnerung. Während viele Persisch mit dem iranischen Regime assoziieren, trennt Nehedar konsequent zwischen Sprache und Politik. Für sie ist Persisch keine Stellungnahme, sondern ein persönlicher Ausdruck und zugleich ein kulturelles Erbe, das nicht aufgegeben werden soll. Ihr Ansatz trifft einen Nerv: In einer Zeit, in der kulturelle Zugehörigkeit zunehmend entlang politischer Fronten diskutiert wird, stellt Nehedar diese Logik infrage. Ihre Musik macht deutlich, dass Identität komplex bleibt und dass selbst im Konflikt Raum für Mehrstimmigkeit existiert.
Maureen Nehedar
01. Apr 2026
Zwischendrin
Emily Langloh