Barbara Honigmann 30. Apr 2021

Jüdische Identität

Die Schriftstellerin Barbara Honigmann wird mit dem Jean-Paul-Preis des Freistaats Bayern ausgezeichnet. Ihre Romane und Erzählungen lassen in vielen Facetten und Nuancen ein Bild jüdischer Identität in Europa entstehen, so die Begründung. In ihrer Gesamtheit bilden Honigmanns Geschichten eine eigene Chronik des 20. Jahrhunderts, sagte der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler (CSU) am Sonntag in München. Ihr Werk sei gleichermassen Literatur und Geschichtsschreibung. Der Jean-Paul-Preis ist mit 15 000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen. Die Verleihung wird voraussichtlich im Dezember stattfinden, wie das Ministerium mitteilte. Honigmann wurde 1949 in Ostberlin geboren. Sie studierte Theaterwissenschaft und war als Dramaturgin und Regisseurin in Brandenburg und an der Volksbühne sowie am Deutschen Theater in Ostberlin tätig. Seit 1975 ist sie freie Schriftstellerin. 1984 verliess sie die DDR und lebt seither in Strassburg. Ihre Eltern Alice Kohlmann, auch bekannt als Lizzy Kohlmann, und Georg Honigmann überstanden die Zeit des Nationalsozialismus als Emigranten im britischen Exil und kehrten 1947 nach Berlin zurück, um den Aufbau eins neuen Deutschland zu unterstützen. Die Auseinandersetzung mit den Biografien der Eltern sei zum Lebensthema für Barbara Honigmann geworden, erklärte die Jury. Zu Honigmanns bekanntesten Werken zählen «Roman von einem Kinde», «Eine Liebe aus nichts», «Alles, alles Liebe!» und «Chronik meiner Strasse». Mit dem Jean-Paul-Preis wird das literarische Gesamtwerk einer deutschsprachigen Schriftstellerin oder Schriftstellers ausgezeichnet. 

Nicole Dreyfus