Kultur 23. Okt 2026

Grenzen des Vergleichs

Was verbindet koloniale und nationalsozialistische Gewalt und wo liegen die Unterschiede? Dieser bis heute umstrittenen Frage widmet sich das Deutsche Historische Museum in Berlin mit der Ausstellung «Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt». Die von Historiker Stephan Malinowski kuratierte Schau zeichnet die Geschichte einer Debatte nach, die bereits in den 1930er-Jahren begann. Antikoloniale Denker sahen im europäischen Faschismus eine Fortsetzung kolonialer Gewalt. Die Ausstellung untersucht diese These anhand historischer Quellen und beleuchtet Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Rassismus, Antisemitismus, Eroberung, Zwangsarbeit und Vernichtung. Besonderes Augenmerk gilt dem Holocaust. Die systematische Ermordung der europäischen Juden wird ausdrücklich nicht als Höhepunkt kolonialer Gewalttraditionen dargestellt, sondern als deren grundlegende Überschreitung und historische Zäsur. Damit thematisiert die Schau auch Grenzen und Gefahren historischer Vergleiche. Rund 580 Objekte aus internationalen Sammlungen, darunter Fotografien, Dokumente und historische Gegenstände, veranschaulichen die unterschiedlichen Gewaltregime. Videointerviews mit Historikern ergänzen die Ausstellung um aktuelle Perspektiven.

Bis Sonntag, 11. April 2027, Deutsches Historisches Museum, Pei-Bau, Hinter dem Giesshaus 3, Berlin. www.dhm.de
 

Emily Langloh