Nan Goldin 30. Jan 2026

Eklat

Die kanadische Art Gallery of Ontario steht nach einer umstrittenen Ankaufentscheidung unter Druck. Das Museum entschied sich gegen den Erwerb eines Werks der jüdischen Fotografin Nan Goldin, woraufhin mehrere Personen aus leitenden Gremien ihre Ämter niederlegten. Goldin zählt zu den einflussreichsten Künstlerinnen ihrer Generation. Ihre dokumentarischen Fotografien über Intimität, Gewalt, Krankheit und marginalisierte Milieus gelten als Meilensteine der zeitgenössischen Kunst. Zugleich sorgt sie seit Jahren mit ihrem politischen Engagement für Kontroversen. Goldin tritt öffentlich für palästinensische Anliegen ein und unterzeichnete nach dem 7. Oktober 2023 mehrere offene Briefe, darunter einen Aufruf zur «palästinensischen Befreiung» sowie eine Forderung nach dem Ausschluss Israels von der Biennale in Venedig. In Interviews sprach sie zudem von einem kulturellen Boykott Israels. Im Zentrum der Debatte stand das Werk «Stendhal Syndrome», das keinen politischen Bezug aufweist. Dennoch argumentierten Kommissionsmitglieder, Goldins öffentliche Aussagen seien antisemitisch und mit einem Ankauf nicht vereinbar. Andere widersprachen und warnten vor politischer Einflussnahme auf kuratorische Entscheidungen. Die Abstimmung fiel mit 11 zu 9 Stimmen gegen den Erwerb aus. Die Museumsleitung kündigte eine Überprüfung der internen Entscheidungsprozesse an.

Emily Langloh