Die jüdische Zeitzeugin Hessy Levinsons Taft ist im Alter von 91 Jahren in ihrem Zuhause in San Francisco gestorben. Bekannt wurde sie durch eine bittere Ironie der Geschichte: Als Säugling galt ihr Foto im nationalsozialistischen Deutschland als Inbegriff des «arischen Babys». 1934 liessen Tafts Eltern, lettisch-jüdische Opernsänger in Berlin, ihre sechs Monate alte Tochter fotografieren. Der Fotograf Hans Ballin reichte das Porträt bei einem nationalsozialistischen Wettbewerb ein, obwohl er wusste, dass das Kind jüdisch war. Das Bild wurde von Propagandaminister Joseph Goebbels ausgewählt und erschien auf dem Titelblatt der nationalsozialistischen Publikation «Sonne ins Haus». Es verbreitete sich landesweit in Zeitschriften, auf Postkarten und in Werbeanzeigen. Für die Eltern war die Situation lebensgefährlich. Aus Angst vor Entdeckung hielten sie ihre Tochter verborgen und sprachen jahrzehntelang nicht über die Herkunft des Fotos. Erst 1987 machte Taft die Geschichte öffentlich. Später bezeichnete sie das Geschehen als eine Form von «guter Rache» und als Entlarvung der rassistischen Ideologie der Nazis. 1937 verliess die Familie Deutschland und floh über mehrere Stationen in die USA. Taft studierte Chemie, arbeitete über 30 Jahre beim Educational Testing Service und lehrte später als Dozentin. Ihre Geschichte bleibt ein eindrückliches Zeugnis für die Absurdität nationalsozialistischer Rassenlehre.
Hessy Levinsons Taft
16. Jan 2026
Triumph
Emily Langloh