Der jüdisch-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Josh Safdie gehört in diesem Jahr erstmals zu den Oscar-Nominierten. Für seine Arbeit an «Marty Supreme» erhielt Safdie Nominierungen für die beste Regie sowie gemeinsam mit Ronald Bronstein für das beste Originaldrehbuch. Der Film wurde insgesamt neunmal für die Academy Awards vorgeschlagen und zählt damit zu den meistbeachteten Produktionen der Saison. Safdie, der zusammen mit seinem Bruder Benny durch hochverdichtete Filme wie «Uncut Gems» bekannt wurde, schlägt mit «Marty Supreme» einen neuen Ton an. Der Film ist weniger handlungsorientiert als frühere, ihn interessiert hier die kulturelle und emotionale Verortung jüdischer Erfahrung im Amerika der Nachkriegszeit. In Interviews betont Safdie, es gehe ihm um jüdischen Stolz nach der Schoah, um Ambition, Überlebenswillen und das Selbstverständnis einer Generation, die den Holocaust aus der Distanz erlebte, aber dauerhaft von ihm geprägt blieb. Diese Perspektive ist auch die von Safdie selber. Als Enkel jüdischer Einwanderer wuchs er mit dem Bewusstsein auf, dass Sicherheit fragil ist und Zugehörigkeit stets neu behauptet werden muss. «Marty Supreme» nutze eine Sportlerfigur, um genau diese Spannung sichtbar zu machen: das Ankommen im amerikanischen Traum und gleichzeitig die Unruhe, die darunter liegt. Dass der Film nun auch von der Academy gewürdigt wird, markiert einen Wendepunkt in Safdies Karriere. Er gilt nicht mehr nur als stilprägender Indie-Regisseur, sondern als Stimme, die jüdische Geschichte, Gegenwart und Popkultur selbstverständlich ins Zentrum eines grossen Kinofilms rückt, ohne sie zu erklären oder zu entschärfen.
Josh Safdie
30. Jan 2026
Nominierung
Emily Langloh