Inmitten der seit Wochen andauernden landesweiten Proteste im Iran hält sich die rund 8000 Mitglieder zählende jüdische Gemeinschaft weitgehend zurück und meidet demonstrative Schauplätze des politischen Unmuts, wie Israels öffentlich-rechtlicher Sender «KAN News» berichtet. Vertreter der Gemeinschaft betonen, dass es derzeit oberste Priorität habe, keinen zusätzlichen Zündstoff zu liefern und die eigene Sicherheit zu wahren. Viele Juden in Teheran und anderen Städten vermeiden demnach bewusst Orte, an denen es zu Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften kommt. Trotz der Vorsicht wurden jüngst jedoch auch offizielle Veranstaltungen abgehalten: So nahm Rabbiner Younes Hamami Lalehzar an einer virtuellen Konferenz in Teheran teil, die dem sechsten Jahrestag der Tötung des iranischen Revolutionsgarden-Kommandeurs Qasem Soleimani gewidmet war – mit Beteiligung von Vertretern der Hizbollah und der Hamas. Historisch steht die jüdische Minderheit im Iran immer wieder unter politischem Druck. Im Dezember waren Berichte aufgekommen, wonach ein jüdischer Parlamentsabgeordneter von Sicherheitsbehörden vorgeladen wurde, nachdem iranische Juden auf Social Media Inhalte mit Israel-Bezug gelikt hatten. Analysten sehen in dem gegenwärtigen Verhalten der jüdischen Gemeinschaft eine vorsichtige Balance zwischen dem Wunsch, sich nicht mit dem Regime anzulegen, und dem Bedürfnis, nicht offen in Konflikte hineingezogen zu werden, während sich die Protestbewegung weiter ausbreitet. Das Bild zeigt iranische Juden, darunter Rabbi Younes Hamami Lalehzar (r.), sie hielten am 30. Oktober 2023 in einer Synagoge in Teheran eine Anti-Israel-Kundgebung ab, um ihre Solidarität mit den Hamas-Terroristen und dem Gazastreifen angesichts des Ausbruchs des Krieges zwischen Israel und der Hamas zu bekunden.
Iran
16. Jan 2026
Juden halten sich im Hintergrund
Redaktion