Die costa-ricanische Diplomatin Rebeca Grynspan gilt derzeit als Favoritin für die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres. In einer ersten informellen Abstimmung im Sicherheitsrat erhielt die 70-Jährige zehn unterstützende Stimmen und nur eine ablehnende. Sollte sie sich durchsetzen, wäre sie nicht nur die erste Frau an der Spitze der Vereinten Nationen, sondern auch die erste jüdische Person in diesem Amt. Grynspan wurde in Costa Rica als Tochter jüdischer Flüchtlinge geboren. Ihre Eltern hatten Europa nach dem Holocaust verlassen und in dem mittelamerikanischen Land eine neue Heimat gefunden. Diese Familiengeschichte habe ihr Verständnis für Frieden und internationale Zusammenarbeit geprägt. Zugleich unterhält sie persönliche Verbindungen zu Israel. Die Ökonomin verfügt über jahrzehntelange politische und diplomatische Erfahrung. Von 1994 bis 1998 war sie Vizepräsidentin Costa Ricas, später bekleidete sie führende Positionen beim UN-Entwicklungsprogramm. Seit 2021 steht sie als erste Frau an der Spitze der UN-Handels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD. Ihre jüdische Herkunft bedeutet allerdings keineswegs, dass sie in Nahostfragen auf israelischer Linie liegt. Unter ihrer Führung veröffentlichte UNCTAD kritische Berichte über die wirtschaftlichen Folgen der israelischen Besatzung für die Palästinenser. Grynspan selbst unterstützt die Zweistaatenlösung. Entschieden ist das Rennen noch nicht. Am Freitag, 21. August, soll eine weitere Abstimmungsrunde im Sicherheitsrat stattfinden. Für eine Ernennung darf Grynspan letztlich kein Veto eines der fünf ständigen Mitglieder erhalten.
Rebeca Grynspan
14. Aug 2026
Favoritin
Emily Langloh