New York City — Covid-19 15. Okt 2020

«Benutzt den Seiteneingang»

Yeshivas in Borough Park brechen Notstands-Auflagen. Spannungen zwischen Behörden und orthodoxen Gemeinschaften halten an.

Vergangene Woche haben Stadt und Staat zehn vorwiegend von Charedim bewohnte Nachbarschaften in New York City aufgrund rasch steigender Ansteckungsraten zu «roten Zone» erklärt und dort die Schliessung von Schulen und «nicht essentiellen» Geschäften angeordnet. Doch laut einem auf Augenzeugen fussenden Bericht der Nachrichtenagentur JTA befolgen zahlreiche Yeshivas in Borough Park, Brooklyn, diese Verordnungen nicht. So soll an der Vordertür einer Yeshiva ein Schild auf Englisch erklären: «Wir sind geschlossen». Darunter steht aber auf Jiddisch: «Benutzt den Seiteneingang».

Damit stehen neue Konflikte zwischen Behörden und Charedim zu erwarten. Diese werden zunehmend komplex, da Bürgermeister Bill de Blasio und Gouverneur Andrew Cuomo bei Details der Notstandsregeln und deren Durchsetzung nicht an einem Strang ziehen. Gleichzeitig disputieren Orthodoxe über die Reaktion. So lehnen prominente Figuren in der Community die von Scharfmachern wie Heshy Tischler betriebene Konfrontation mit Behörden und angeblichen «Verrätern» in der Gemeinschaft ab (Link). In den Yeshivas wird angeblich weitgehend auf das Tragen von Gesichtsmasken und «social distancing» verzichtet. Journalisten auf Recherchen dazu werden von zornigen Charedim zum Verlassen der Nachbarschaft aufgefordert. Behörden in New York City geben derweil keine Antworten auf Presse-Fragen nach deren Reaktion. Gouverneur Cuomo hat den Bürgermeister deshalb für eine laxe Durchsetzung der Auflagen kritisiert (Link).

 

Andreas Mink