Bronislaw Erlich 29. Aug 2025

Zeitzeuge

Der Holocaust-Überlebende Bronislaw Erlich ist in Bern im Alter von 102 Jahren gestorben. Erlich wurde 1923 in Warschau geboren. Als 16-Jähriger erlebte er den deutschen Überfall auf Polen. Am Bahnhof wurde er von seiner Mutter getrennt. Er sah sie, den Vater und den jüngsten Bruder nie wieder. Er selbst überlebte unter falscher Identität in Ostpolen. Er fand Arbeit bei Bauern, lebte in ständiger Angst, entdeckt zu werden, und überstand auch Lagerhaft. Das Kriegsende 1945 erlebte er in Deutschland, wo er als Übersetzer arbeitete und seine spätere Frau Anna Ehrlich kennenlernte. Nach Jahren in Polen und Israel kam die Familie 1961 in die Schweiz und liess sich 1976 in Belp nieder. Bekannt wurde Erlich durch sein unermüdliches Engagement als Zeitzeuge. Mit seiner Autobiografie «Ein Überlebender berichtet» (2007) und durch unzählige Auftritte an Schweizer Schulen erzählte er eindrücklich vom Holocaust. «Das Erzählen vom Holocaust war bis zuletzt sein Lebensinhalt», sagt sein Sohn Michael. 2015 wurde er zudem in der Ausstellung «The Last Swiss Holocaust Survivors» porträtiert. Die Gamaraal-Stiftung schloss Erlichs Zeugnis mit ein, «damit die Welt nie vergesse». In der Schweiz leben heute nur noch rund 200 Überlebende. «Es ist der letzte Moment, in dem wir Zeitzeugen zuhören können», sagt Anita Winter, Präsidentin der Gamaraal-Stiftung. Diese Zeugnisse zu vermitteln sei heute wichtiger denn je.

Redaktion