Zürich 07. Dez 2018

Neue Pläne für das «Olive Garden»?

Die effektiven Kosten des Restaurants Olive Garden wurden in der Vergangenheit nicht transparent gemacht.

Am kommenden Montag findet in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich eine Gemeindeversammlung statt – neben der Wahl einer Ad-hoc-Kommission steht erneut das Restaurant Olive Garden auf dem Programm.

Wenn am Montag die ordentliche Gemeinde­versammlung (GV) in der Israelitischen Cultusgemeinde­ Zürich (ICZ) stattfindet, ist erneut mit Diskussionen zu rechnen: Neben der Annahme des Budgets 2019 und anstehenden Wahlen steht ein Antrag der Arbeitsgruppe Jonathan Bollag über das Restaurant Olive Garden zur Debatte. Zudem soll eine neue sogenannte Ad-hoc-Kommission ihre Arbeit aufnehmen.

Zufriedenheit der Basis erhöhen
Die Ad-hoc-Kommission besteht aus sechs Personen, die ihren Antrag wie folgt definieren: «In erster Linie sollen die Bedürfnisse und die Zufriedenheit der Mitglieder im Zentrum stehen.» Dafür sollen eine Analyse der bestehenden Situation vorgenommen und Lösungsvorschläge zuhanden der Gemeinde erarbeitet werden. Im Fokus sollen nach Aussage der potenziellen Kommissionsmitglieder «die aktuellen Strukturen und Organisation sowie die Kommunikation nach innen und aussen» stehen. Als Kandidaten haben sich Valérie Arato-Salzer, Monique Berger-Shmuel, Ittaj Goldberger, Jonathan Kreutner, Diego Oppenheim und Uri Rothschild zur Verfügung gestellt – der Vorstand der ICZ beantragt die Wahl dieses Gremiums. An der letzten GV hatte die Gemeinde den Auftrag erhalten, eine Ad-hoc-Kommission zu bilden, um die aktuelle Struktur und Organisation der Gemeinde zu überprüfen. Grund dafür waren zwei turbulente Abende im Rahmen der GV vom Juli, in denen grosse Spannungen zwischen der Gemeindebasis und dem Vorstand zutage kamen (vgl. tachles 27/18).

Alternative Lösung zum «Olive Garden»
Einer der Gründe für die heftigen Debatten im Sommer waren die Kosten für das koschere Restaurant Olive Garden (tachles berichtete). Die hohe Defizitgarantie der ICZ für das Restaurant und weitere anfallende Kosten für die Institution hatten bereits in der Vergangenheit für Unmut unter den Gemeindemitgliedern gesorgt. Daraufhin reichte der Betriebswirt Jonathan Bollag eine Motion ein. Darin forderte er eine Aufhebung der Defizitgarantie, da diese die Gemeinde viel Geld kostet und zudem nicht transparent ist. Daraufhin wurde eine Arbeitsgruppe unter Bollag eingerichtet, zu der auch Nadine Balkanyi-Nordmann, Claude Dreifuss und Chaim van Dijk gehören. Die Arbeitsgruppe hatte den Auftrag erhalten, bis zur anstehenden GV eine alternative Lösung zum «Olive Garden» zu präsentieren. Für kommenden Montag hat die Arbeitsgruppe Jonathan Bollag nun einen Antrag eingereicht, der erneut für eine Debatte sorgen wird. Denn darin ist festgehalten: «Es sei der Arbeitsgruppe das Mandat zu erteilen, eine rein privatwirtschaftliche von der ICZ unabhängige Lösung für ein koscheres Restaurant in den Räumlichkeiten des ICZ-Gemeindehauses zu erarbeiten.» Die Gemeinde erwarte, so heisst es weiter, dass die neue Lösung bis spätestens zum 1. Juli 2019 den operativen Betrieb aufnehmen könne. Im Klartext heisst das, dass ab kommendem Sommer ein privat geführtes, in der ICZ eingemietetes Koscherrestaurant wirtschaften soll. Die ICZ selbst äussert sich im Vorfeld der GV kritisch gegenüber dem Antrag, die Präsidentin Shella Kertész und der Quästor Lionel Blumberg schreiben: «Die Alternative, die von der Gruppe im Antrag präsentiert wird, besteht zurzeit nur aus Ansätzen.» Aus ihrer Sicht fehlen wichtige Informationen zu Konzept und Finanzplanung. Ferner gibt die ICZ zu bedenken, dass die Verantwortung für Vertragsverhandlungen und Abschluss bei einer Annahme des Antrags ausschliesslich bei der Gruppe liegen würde und die Gemeinde kein Mitspracherecht mehr habe. Die Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission unterstützt die ICZ-Leitung und beantragt, den Antrag der Arbeitsgruppe abzulehnen. Jonathan Bollag betont gegenüber tachles, dass seine Arbeitsgruppe der ICZ keine Verantwortung wegnehmen wolle, die Gemeinde solle vielmehr entlastet werden. In seiner Gruppe seien mit van Dijk und Dreifuss zwei ausgewiesene Experten vertreten. «Wir sind zudem keine externe Gruppe, sondern wir handeln im Sinne der Gemeinde. Wir möchten das Restaurant Olive Garden in private Hände übergeben, da dies von Vorteil für die ICZ wäre», so Bollag, der einräumt, dass es bereits Investoren gäbe, die Interesse bekundet hätten. «Wir sprechen uns eindeutig für ein koscheres Restaurant aus. Es sollte aber unabhängig von der ICZ auf privater Basis geführt werden. Zu diesem Schluss sind wir nach der Analyse der Zahlen, die wir einsehen durften, gekommen.»

Geld sinnvoller einsetzen
Aus seiner Sicht reichen die «Neuigkeiten», die der Vorstand nun hinsichtlich des «Olive Garden» bekannt gibt, nicht aus: So sollen ab sofort unter anderem ICZ-Gemeindemit­glieder direkt bei jeder Begleichung der Rechnung vor Ort von einem Zehn-Prozent-Rabatt profitieren können. Zudem solle beim nächsten Wechsel ein jüdischer Koch angestellt werden, der Schomer Schabbat ist; auf diese Weise sollen Maschgiach-Kosten stark reduziert werden. Ziel sei es, die Gesamtrechnung mit rund 50 000 Franken zu entlasten. Ein Tropfen auf den heissen Stein, wenn man bedenkt, dass die schriftlich ausgewiesenen Kosten der ICZ für das «Olive Garten» im Jahr 2017 bei 221 000 Franken lagen. «Hier werden weit mehr Steuer­gelder als die ausgewiesenen Kosten ver-schwendet», findet Jonathan Bollag. Er sagt: «Das Geld könnte innerhalb der Gemeinde sinnvoller eingesetzt werden.» An der vergangenen GV kam zudem zutage, dass sich viele Gemeindemitglieder daran stören, dass die effektiven Kosten des Restaurants nicht transparent gemacht werden. Andere sehen keine persönliche Notwendigkeit für ein koscheres Restaurant. Insgesamt wurde kritisiert, dass der Finanzposten in den vergangenen Jahren­ praktisch diskussionslos durchgewinkt worden ist. Die Debatte um Traktandum 7, «Restaurant Olive Garden», könnte demnach erneut hohe Wellen schlagen.

Montag, 10. Dezember, 18.30 Uhr, 

Gemeinde­versammlung, ICZ, 

Lavaterstrasse 33, Zürich.

Valerie Wendenburg