Hakoah TC Basel feierte mit zahlreichen Gästen sein 100-jähriges Bestehen – und bewies damit seine fortdauernde Relevanz für die jüdische Gemeinschaft.
Am vergangenen Sonntag feierte der jüdische Tennisclub Hakoah TC Basel sein 100-jähriges Bestehen. Bei schönem Wetter versammelten sich rund 100 ältere wie jüngere Gäste im Basler Neubad – deutlich mehr, als der Club erwartet hatte. Laut Vorstandspräsident Francis Anner habe man mit rund 50 Mitfeiernden gerechnet.
Nach einem Begrüssungsapéro und musikalischer Begleitung durch eine Klezmer-Band eröffnete Präsident Anner das Tagesprogramm mit einer persönlichen Rede. Er betonte die lange Geschichte des Clubs und dessen Bedeutung für seine Familie. Vier Generationen seiner Familie haben alle bei Hakoah gespielt – sein Grossvater, sein Vater, er selbst und nun seine Kinder und Neffen. Mit Blick auf die Zukunft des Clubs verwies er auf den neuen Allwetterplatz, der am Jubiläum offiziell eingeweiht wurde. Der Club könne mit diesem nun auch ausserhalb der Saison trainieren und sich so in Zukunft substanziell verbessern.
Gegründet aus Ausgrenzung
Auch Ehrenpräsident Joel Gutmann sprach von seinen persönlichen Erinnerungen an den Verein. Er schilderte, wie in den 1950er Jahren all seine jüdischen Mitschüler mit Tennisschlägern zum Religionsunterricht erschienen, weil anschliessend das Training bei Hakoah stattfand. Gleichzeitig betonte er die schwierigen Anfänge des Clubs, welcher aufgrund von Ausgrenzung der jüdischen Spieler aus anderen Clubs und Antisemitismus gegründet worden war. (Anm. Red.: Vor zwei Wochen publizierte tachles einen eingehenden Artikel zu der Entstehungsgeschichte des Hakoah TC Basel, vgl. tachles 33/25). Trotz der über die Jahre sinkenden Mitgliederzahlen sei es gelungen, den Verein bis heute am Leben zu erhalten, und dessen Teams nehmen weiterhin an Interclubmeisterschaften für Herren und Junioren teil. Zum Abschluss seiner Rede gedachte Gutmann der israelischen Geiseln und Kriegsopfer.
Einen historischen Überblick lieferte zudem der Gymnasiast Elia Gilgen, der seine Maturarbeit zu «100 Jahre Hakoah TC Basel» vorstellte. Laut Gilgen sei Hakoah 1925 entstanden, da jüdische Sportler damals aufgrund des Interesses an einem einheitlichem Clubleben aus allen anderen Basler Tennisclubs ausgeschlossen worden seien. Was dem völkischen Gedankengut der Zeit entsprach. Der Bedarf für einen jüdischen Tennisclub sei so gross gewesen, dass sofort bei der Gründung 150 jüdische Tennisspieler und Spielerinnen dem Club beigetreten seien. Später habe die Zahl allerdings abgenommen – einerseits, weil jüdischen Spielerinnen und Spielern der Zugang zu anderen Clubs ermöglicht wurde, andererseits durch die insgesamt schrumpfende jüdische Gemeinschaft in Basel.
Sportlicher Schlusspunkt
Für einen gelungen Abschluss sorgte dann der ehemalige Tennisprofi Marco Chiudinelli. In einem Gespräch mit den Gästen blickte er auf seine Karriere zurück, die ihn zwischen 2000 und 2017 auf die Herrentennis-Turnierserie führte. Zu seinen grössten Erfolgen zählen der Einzug in die dritte Runde des US Open, ein Platz unter den Top 60 der Weltrangliste sowie der Davis-Cup-Sieg mit der Schweizer Nationalmannschaft.