Deutschland 07. Jun 2026

Yad Vashem eröffnet Bildungszentrum in München

Aussenansicht des neuen Yad-Vashem-Bildungszentrums in München.  

Fertigstellung in zwei bis drei Jahren.

Wie von der «dpa» vermeldet, will die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ein Bildungszentrum in München und eine Aussenstelle in Leipzig etablieren. Dabei handele es sich um den ersten internationalen Ableger der Gedenkstätte. München sei wegen seiner Bildungslandschaft, seiner zentralen Lage, aber wohl auch als Wohn- und Wirkungsort Hitlers und der Nazi-Bewegung ausgewählt worden.

Das Zentrum soll die jüdischen Perspektive in der deutschen Erinnerungskultur betonen, dies durch die Präsentation von Erfahrungen und Stimmen jüdischer Nazi-Opfer. So sollen die Dimension des nationalsozialistischen Massenmordes verständlicher gemacht und Besucher zur Auseinandersetzung mit Fragen von Verantwortung, Identität und Menschlichkeit angeregt werden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Israels Präsident Izchak Herzog würdigen das Projekt als «wichtige Entscheidung» in Zeiten zunehmenden Antisemitismus und wachsender Fremdenfeindlichkeit». Die kleinere Einrichtung in Leipzig soll sich vor allem an Pädagogen und junge Menschen richten. Das Bildungszentrum in München könnte laut Yad Vashem 2028 oder 2029 eröffnet werden (Link).

Das Gesamtbudget für die Errichtung des Zentrums beträgt angeblich rund 20 Millionen Euro mit jährlichen Betriebskosten von fünf Millionen Euro. Yad Vashem gab gegenüber «ejewishphilanthropy» keine weiteren Angaben zur Finanzierungsquelle. Das Projekt löst auch Kritik aus. So verwies Meron Mendel als Leiter des Anne-Frank-Bildungszentrums in Frankfurt auf angebliche Verbindungen zur israelischen Regierung und argumentierte, das Zentrum könne von der rechten Regierung beeinflusst werden. Auch Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, übte Kritik an dem Vorhaben. Beide hinterfragten, warum keine Partnerschaften mit bereits bestehenden deutschen Einrichtungen geprüft worden seien. Dies wäre empfehlenswert.

Yad Vashem-Direktor Dani Dayan tat diese Äusserungen als «Unsinn» ab. Die Institution sei keine Regierungseinrichtung, sondern eine staatliche Institution: «Sie gehört dem Staat Israel und dem jüdischen Volk – einschliesslich der Opfer und Überlebenden – und ist vollkommen unabhängig.» Der Ruf von Yad Vashem als weltweit führende Institution für das Holocaust-Gedenken gerade im Bildungsbereich bedürfe «keiner Bestätigung durch Herrn Mendel» (Link).

Andreas Mink