Ungarn 13. Jan 2026

Umstrittene Begegnung

Der umstrittene Politiker Remigijus Žemaitaitis.

Ungarns Aussenminister empfängt als Gastgeber in Budapest einen als antisemitisch bekannten litauischen Politiker.  

Einer umstrittenen politischen Begegnung hat Ungarns Aussenminister Péter Szijjártó, bekannt für seine enge aussenpolitische Kooperation mit Israel, den Vorsitzenden der litauischen Partei The Dawn of Nemunas, Remigijus Žemaitaitis, in Budapest empfangen und mit ihm eine gemeinsame Pressekonferenz abgehalten. 
Žemaitaitis gilt in seiner Heimat als einer der umstrittensten Politiker und ist international für wiederholte antisemitische Äusserungen bekannt. So hatte er in der Vergangenheit Juden als „Unterlegene“ bezeichnet und rassistische Parolen verbreitet, darunter ein hasserfülltes Reimzitat, das zu Gewalt gegen jüdische Kinder aufrief. Für diese und weitere Aussagen wurde er in Litauen 2025 wegen Anstachelung zu Hass und Holocaust-Verzerrung verurteilt. 
Trotz dieser Vorgeschichte lobte Szijjártó bei der Pressekonferenz den litauischen Gast und bezeichnete ihn und seine politische Ausrichtung als wichtigen Teil einer «patriotischen europäischen Bewegung». Szijjártó betonte, dass nur ein starkes patriotisches politisches Kräftefeld Europa «Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft» geben könne. 
Die Einladung des litauischen Parlamentsabgeordneten sorgt international für Irritationen, da sie im Widerspruch zu den erklärten Positionen Ungarns steht, Antisemitismus nicht zu tolerieren – eine Botschaft, die zuletzt auch Ministerpräsident Viktor Orbán wiederholt bekräftigt hatte. 
Kritiker sehen in dem Treffen nicht nur ein diplomatisches PR-Risiko, sondern auch ein Signal, das Spannungen innerhalb der europäischen Rechten vertiefen könnte, insbesondere im Kontext der Debatten um Migration, EU-Politik und das Verhältnis zu Israel.

Redaktion