Nahost 03. Sep 2026

«Samaria» statt «Palästina»?

Tony Blair will Palästina umbenennen. 

Tony Blair fordert angeblich Umbenennung in palästinensischen Schulbüchern.  

Laut der Plattform «Middle East Eye» (MEE) hat Tony Blair jüngst als Mitglied des von Trump installierten «Board of Peace» die Palästinensische Autonomiebehörde bei einem Besuch in Ramallah aufgefordert, den Begriff «Palästina» in Schulbüchern auf den von Israel besetzten Gebieten durch die von israelischen Siedlern und Nationalisten verwendete Bezeichnung «Samaria» zu ersetzen.

Quelle der Information ist der britische ex-Diplomat Jeremy Greenstock, der das Vereinigte Königreich 1998 bis 2003 an der UN vertreten hat. Greenstock erklärte gegenüber MEE, Blair habe gegenüber Mahmud Abbas behauptet, der «Friedensrat» könne Israel nur zu einem Abkommen zur Beendigung des Gaza-Krieges bewegen, wenn die PA dem Verlangen des Gremiums nach einer Streichung des Begriffs «Palästina» aus Unterrichtsmaterial nachkomme. Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde habe diese Forderung jedoch zurückgewiesen.

Greenstock behauptet zudem, der britische ex-Premier stosse bei der Einführung und Überwachung einer Nachkriegsverwaltung im Gazastreifens im Auftrag des Gremiums auf Schwierigkeiten. Greenstock gab sich empört über die Forderung nach der Begriffs-Änderung: «damit stellt sich mir die Frage, nach welchen Prinzipien dieses Gremium arbeitet und welches Verständnis es von Gerechtigkeit, Fairness und der Geschichte all dieser Vorgänge hat.» Blairs «Institute for Global Change» bestreitet, dass der ex-Premierminister eine solche Forderung gestellt hat.

Allerdings behauptet MEE, Israel und seine Unterstützer seien global bemüht, das Wort «Palästina» aus Geschichtsbüchern und Museen zu tilgen. Am Dienstag begannen israelische Behörden mit der Einführung eines entsprechend ausgerichteten Lehrplans für mehr als 45.000 palästinensische Heranwachsenden an staatlichen Schulen in Ostjerusalem. Ein überarbeiteter Lehrplan auf dieser Linie für die besetzten Palästinenser-Gebiete sei in Vorbereitung. Unterdessen verlangt eine fraktionsübergreifende Gruppe von Abgeordneten in Grossbritannien eine Untersuchung, nachdem das British Museum die Begriffe «Palästina», «palästinensisch» und «israelische Besatzung» aus seinen Ausstellungen entfernt hatte. Dies soll eine direkte Reaktion auf die Lobbyarbeit pro-israelischer Aktivisten im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2024 gewesen sein.

Greenstock gehört zu einer Gruppe von Diplomaten, die ein Verbot aller Waren aus illegalen israelischen Siedlungen gefordert haben. Er verlangt von dem neuen britischen Premier Andy Burnham, «Israel die Stirn zu bieten»: «Wenn die Regierung Burnham hier nicht für grundlegende Prinzipien eintritt, wie soll sie dann anderswo nach Prinzipien handeln können?»

Der ex-Botschafter ist zudem überzeugt, dass Binyamin Netanyahu ein Versprechen einlösen will, das er angeblich seinem Vater, dem Historiker Benzion Netanyahu, gegeben hat: das Westjordanland als Judäa und Samaria unter israelische Souveränität zu bringen. Der Premier habe den 7. Oktober 2023 als Gelegenheit zur Realisierung dieses Ziels ergriffen (Link).

Andreas Mink