Vorwahlen für Senats-Sitz am heutigen Dienstag unter dem Vorzeichen von Kontroversen um Graham Platner.
Heute Dienstag finden in Maine Vorwahlen für den US-Senat statt. Nach dem Ausscheiden von Gouverneurin Janet Mills im April hat bei den Demokraten der ex-Marine und Austernzüchter Graham Platner beste Chancen, Herausforderer der republikanischen Amtsinhaberin Susan Collins zu werden. Dieses Rennen wird bei den Wahlen im November mit über Mehrheit in der Oberen Kongresskammer – und damit die zweite Hälfte der Trump-Regierung entscheiden. Von daher ist die Aufmerksamkeit für den als Linkspopulisten auftretenden Platner nur zu verständlich.
Dieser hat nach Affären um eine Abzeichen der Waffen-SS abgekupferte Totenkopf-Tätowierung, umstrittene Social Media-Posts aus seiner Vergangenheit und Sexting-Vorwürfe von Anfang Monat nun auch mit Beschuldigungen übergriffigen Verhaltens gegenüber ex-Freundinnen zu kämpfen. Dazu kommen Zweifel an seiner Selbstdarstellung als «Working Class» – immerhin betreibt die Mutter ein grosses, bestens gehendes Restaurant, das ihm den Grossteil seiner Austern abnimmt. Der Vater ist ein bekannter Anwalt und hat Platner mit einem Kredit für einen Hauskauf unterstützt.
Jüdischen Linksliberalen macht zudem Platners scharfe Kritik an Israel als Völkermörder in Gaza und Manipulator Trumps in den Iran-Krieg Bauchschmerzen. Platner will sämtliche Hilfen für Israel einstellen und hat Collins unterstellt, Gelder von der AIPAC angenommen zu haben. Sie sei «von Binyamin Netanyahu gekauft und bezahlt, und sie stimmt entsprechend ab».
Von daher sehen sich viele Linksliberale in einer Zwangslage zwischen einer Unterstützung oder stillschweigenden Duldung Platners nach dem Motto «Augen-zu-und-durch» – und offener Kritik. Mills hat nun daran erinnert, dass ihr Name immer noch auf den Wahlzetteln steht.
Der 41-Jährige liegt zwar bei Umfragen vor Collins, doch die 73-jährige Collins ist tief in Maine verwurzelt und hat bei ihrer letzten Kampagne 2020 eine demokratische Konkurrentin überraschend klar mit 51 zu 42 Prozent geschlagen.
Das Jewish Democratic Council of America (JDCA) will Platner daher nicht unterstützen und betont nun die bleibende Unterstützung für die 78-jährige Mills. Der Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer – der ranghöchste jüdische gewählte Amtsträger der USA –, unterstützt Platner bislang nach langem Zögern weiterhin. Nach einem Treffen in der vergangenen Woche in Washington erklärte Schumer, ein Sieg über Collins bleibe für die Demokraten ein vorrangiges Ziel (Link).