Stephen Spencer Pittman war anscheinend von christlichem Nationalismus und dem mitunter antisemitischen Männlichkeitskult der «Manosphere» beeinflusst.
Der «Forward» bringt neue Informationen zu möglichen Motiven von Stephen Spencer Pittman, der laut dem FBI am Samstagsfrüh einen verheerenden Brandanschlags auf die historische Synagoge Beth Israel in Jackson, Mississippi, verübt hat. Er hat die Shul als «Synagoge des Satans» bezeichnet und seine Social-Media-Beiträge enthielten zuletzt eine antisemitische Karikatur. Der 19-Jährige ist zudem auf der kostenpflichtigen, christlichen Fitness-Website «One Purpose» registriert. Dort sind laut dem Bericht zahlreiche hebräische Begriffe in den Trainingsanleitungen und Bibelstudien zu finden.
Die Website wirbt mit «biblisch fundierter Fitness», bezeichnet Nutzer als «Brüder», die ihren Körper gleichsam als «Tempel» aufbauen – Frauen kommen in dieser Kultstätte einer aggressiven Männlichkeit nicht vor. Über Startseite befindet sich das Tetragrammaton in Hebräisch, einer der biblischen Namen Gottes. Die Website orientiert Fitnessprogramme an «biblischen Patriarchen» und listet einige der ältesten Männer der Bibel wie Adam, Methusalem oder Noah mit ihren hebräischen Namen auf. Die Website erwähnt auch mehrere jüdische Fastentage, darunter weniger bekannte die normalerweise nur von orthodoxen Juden eingehalten werden, wie das Fasten Daniels und das Fasten Esthers, ebenfalls mit ihren hebräischen Namen.
Ein Beitrag auf Pittmans Instagram über eine «christliche Diät/Testosteron-Optimierung» empfiehlt den Verzehr von roher Milch und Eiern sowie die Beschränkung auf «von Gott geschaffene Fette» und listet die hebräischen Wörter für Öl und Butter auf. Gleichzeitig bringt die Website anscheinend Ratschläge sogenannten «Manosphere» von Influencern, die Befürworter toxischer Männlichkeit gelten, darunter der selbsternannte Frauenhasser Andrew Tate, der in Rumänien wegen Menschenhandels verhaftet wurde.
Diese «Manosphere» wird zunehmend durchsetzt von christlichen Influencern, die Werte hinsichtlich der Unterordnung der Frau und der männlichen Dominanz teilen. Diese sind laut dem Bericht oft offen antisemitisch, betrachten Juden als Satanisten, die Jesus abgelehnt haben, und unterstützen zahlreiche antisemitische Verschwörungstheorien, einschliesslich der Holocaustleugnung. Prominente Figuren der Szene laden auch den bekennenden Antisemiten Nick Fuentes auf ihre Plattformen ein.
Von daher legt die Analyse die Vermutung nahe, dass Pittman unter dem Einfluss dieser Szene steht, die von Verschwörungstheorien über jüdische Herrschaft und deren satanische Rituale durchdrungen ist. Auf Instagram soll er Accounts mit Namen wie «Soldat Christi» oder «Wächter Christi» folgen, von denen einige ebenfalls Verschwörungstheorien verbreiten (Link).