Jerusalem 25. Aug 2026

Netanyahu veröffentlicht «persönliche» Telefonnummer im Wahlkampf

Eine Archivaufnahme von Binyamin Netanyahu.

Israels Ministerpräsident Binyamin Netanyahu hat in einem Wahlkampfvideo eine Telefonnummer veröffentlicht, unter der ihn Bürger angeblich direkt erreichen können. Kritiker vermuten Sammlung von Wählerdaten. 

Wenige Wochen vor der israelischen Parlamentswahl setzt Ministerpräsident Binyamin Netanyahu auf direkten Kontakt zu den Wählern. In einem am Sonntag veröffentlichten Video fragt ihn sein langjähriger Berater Topaz Luk, ob er Netanyahus Telefonnummer öffentlich machen dürfe. Der Regierungschef reagiert zunächst gespielt überrascht, stimmt dann aber zu. Er wolle die Vorschläge, Fragen und Probleme der Israelis hören und so viele Nachrichten wie möglich beantworten, erklärte Netanyahu. 
Die Aktion löste unmittelbar einen massiven Ansturm aus. Hunderte Anrufe und Nachrichten gingen innerhalb weniger Minuten ein. Der mit der Nummer verbundene WhatsApp-Account wurde wegen des hohen Verkehrs gesperrt, Anrufer er-hielten ein Besetztzeichen. Luk erklärte, man arbeite daran, den Dienst wieder-herzustellen, und verwies Nutzer vorübergehend auf Telegram. 
Zugleich kamen Zweifel auf, ob es sich tatsächlich um Netanyahus private Telefonnummer handelt. Der politische Korrespondent des öffentlich-rechtlichen Senders Kan, Michael Shemesh, äusserte den Verdacht, die Kampagne könne vor allem dazu dienen, Telefonnummern potenzieller Wähler zu sammeln. Der Likud reagierte zunächst nicht auf entsprechende Anfragen. Für zusätzliche Belustigung sorgte, dass auf dem im Video gezeigten Telefon eine WhatsApp-Gruppe einer Synagoge zu sehen war, in der offenbar eine Nachricht zugunsten von Netanyahus Rivalen Naftali Bennett verbreitet worden war. 
Neu ist die Strategie nicht. Bereits im Wahlkampf 2022 hatte Netanyahu eine angeblich persönliche Nummer veröffentlicht und Israelis zu Videoanrufen eingela-den. Damals erklärte der Likud, innerhalb der ersten 30 Minuten seien 9420 An-rufe eingegangen. 
Die neuerliche Aktion ist Teil einer intensiven Kampagne, mit der Netanyahu den unmittelbaren Kontakt zur Bevölkerung sucht. Der Likud steht derzeit unter Druck: Eine Anfang August veröffentlichte Umfrage von Channel 13 sah Gadi Eisenkots Partei Yashar mit 23 Mandaten vor dem Likud mit 21 Sitzen. Netanya-hus gegenwärtiges Regierungsbündnis käme demnach lediglich auf 49 der 120 Sitze in der Knesset. Auch bei der Frage nach der Eignung für das Amt des Ministerpräsidenten lag Eisenkot mit 47 zu 34 Prozent vor Netanyahu. 
Zuletzt absolvierte Netanyahu deshalb eine Reihe öffentlichkeitswirksamer Auftritte in Restaurants, Einkaufszentren und bei einem Konzert der Sängerin Eden Ben Zaken. Ein Wahlkampfvideo aus der Jerusalemer Malha Mall musste auf Anordnung des Zentralen Wahlkomitees entfernt werden, weil darin Kinder für Wahlpropaganda eingesetzt worden waren. 
 

Redaktion