Brisanter Bericht im israelischen Wahlkampf.
Wie zuerst von «Haaretz» in Berufung auf ein neues Buch der Reporter Shlomi Eldar und Ruth Yuval (Link) vermeldet, hat Mohammed bin Zayed (MbZ) etwa zehn Tage vor den Terrorattacken der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ein 45-minütiges Telefonat mit Binyamin Netanyahu geführt. Der Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) soll den Premier gewarnt haben, dass Hamas-Chef Yahya Sinwar eine grosse Operation gegen Israel plane, die zu einer Erschütterung der gesamten Region führen könnte. Sinwar selbst habe von der Vorbereitung auf ein «Erdbeben» gesprochen.
Eine wichtige Quelle der brisanten Informationen soll Mohammed Dahlan gewesen sein. Einst als «starker Mann» und «Sheriff von Gaza» bekannt, hatte der ehemalige Fatah-Kader und Geschäftsmann nach seinem Exil am Golf 2011 extensive Kontakte in dem Küstenstreifen gepflegt und soll als Berater von MbZ an dem Telefonat mit Netanyahu teilgenommen haben.
Eldar und Yuval behaupten, Netanyahu habe die Informationen für sich behalten und das Sicherheits-Establishment Israels nicht über die Warnungen informiert. Am Dienstag hat Netanyahu den Bericht kategorisch zurück gewiesen. Im laufenden Wahlkampf hat er ohnehin einen schweren Stand. Zuletzt hatte seine Gattin Sara das Gerücht gestreut, der linke Ex-General und Oppositionspolitiker Yair Golan habe womöglich von den Hamas-Plänen vorab gewusst. Der ehemalige Vizegeneralstabschef der IDF war am 7. Oktober auf eigene Initiative in das Kampfgebiet gefahren und konnte zahlreiche Israeli retten.
Ex-Militärchef Gadi Eisenkot schrieb als Netanyahus wichtigster Rivale im Wahlkampf auf X, nun würden sich Anzeichen dafür mehren, dass Netanyahu «Israel blindlings in das Desaster vom 7. Oktober geführt» und Dutzende Warnungen ignoriert habe. Netanyahu sei «nicht für das Amt des Regierungschefs geeignet» (Link).