«Das bunte Leben» wurde 2023 als NS-Raubkunst eingestuft.
Seit dem Ankauf durch die Bayerische Landesbank im Jahr 1972 hing «Das bunte Leben» von Wassily Kandinsky als Dauerleihgabe im Münchner Lehnbachhaus. Am 14. Oktober soll das für das Schaffen des russischen Künstlers wichtige Gemälde bei Christie´s in London versteigert werden.
Erst 2023 hatte die «Beratende Kommission NS-Raubgut» das Gemälde nach langen Debatten mit der Bank als NS-Raubkunst eingestuft. Daraufhin erfolgte mit Billigung des Bayerischen Landtags die Rückgabe an die Erben der jüdischen Sammlerfamilie Lewenstein.
Kandinsky schuf das Werk 1907 in Paris. «Das bunte Leben» gilt als Schlüsselwerk bei Kandinskys Übergang von einer realistischen zu abstrakten Arbeiten und lässt in einer lebhaften, farbintensiven Szenerie Einflüsse russischer Volkskunst und Folklore auf Elemente aus der künstlerischen Moderne der Epoche treffen.
Das Gemälde gehörte ab November 1927 dem in Amsterdam lebenden Sammler-Ehepaar Hedwig und Emanuel Albert Lewenstein. Rund fünf Monate nach der Besetzung der Niederlande durch Hitler-Deutschland wurde das Werk am 9. Oktober 1940 beim Auktionshaus Frederik Muller & Co in Amsterdam versteigert. Bis wenige Wochen vor der Versteigerung befand sich «Das bunte Leben» als Leihgabe der Lewensteins im Stedelijk Museum in Amsterdam. Trotz jahrelanger Recherchen konnte nicht geklärt werden, auf wessen Veranlassung das Gemälde als Teil des Nachlasses Lewenstein zur Versteigerung gelangte.
Dort wurde «Das bunte Leben» von Salomon B. Slijper erworben, dessen Witwe es 1972 für rund 900'000 Mark an die Bayerische Landesbank verkaufte. Im Oktober 1940 waren die Kinder der Lewensteins, Robert Gotschalk Lewenstein und Wilhelmine Helene Lewenstein, bereits in die USA und die portugiesische Kolonie Mosambik ausgewandert. Nur Irma, die mit Robert in Trennung lebende Ehefrau, war in Amsterdam verblieben. Sie überlebte den Krieg, wurde aber immer wieder Opfer schwerer Verfolgungsmassnahmen (Link).
Experten schätzen den Wert des «Bunten Lebens» auf mindestens 30 Millionen Dollar (Link).