USA – Nahost 07. Jun 2026

Kritik an Atom-Hilfen für Saudi-Arabien

Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman bei einem Treffen mit Donald Trump, 2017.  

Pläne der US-Regierung wecken Bedenken über mögliche Waffen-Entwicklung.

Die Trump-Regierung will dem US-Kongress in naher Zukunft einen Entwurf für ein Abkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie mit Saudi-Arabien vorzulegen. Kongress-Mitglieder und Experten schlagen bereits Alarm. Demnach könnte das Abkommen aufgrund bereits vorliegender Informationen bewährte Sicherheitsvorkehrungen aufgeben und einen nuklearen Rüstungswettlauf im Nahen Osten auslösen.

Experten zufolge plant das Weisse Haus den Bau und Betrieb einer Anlage zur Anreicherung von Uran in Saudi-Arabien im Rahmen eines bilateralen Abkommens. Sobald Trump die entsprechend Vereinbarung offiziell dem Kongress vorlegt, haben beide Kammern 90 Tage Zeit zur Diskussion oder auch einer Ablehnung. Andernfalls tritt das Abkommen automatisch in Kraft und erlaubt den USA, Technologie für die zivile Kernenergienutzung an das Königreich weiterzugeben.

Laut dem «Jewish Insider» (JI) befürchten Experten jedoch, dass das Abkommen in seiner jetzigen Form keine Zusage Riads enthält, auf die heimische Urananreicherung und die Wiederaufarbeitung von Brennstoffen zu verzichten. Andere Partner in der Region, wie etwa die Vereinigten Arabischen Emirate, hatten diese strengen Sicherheitsauflagen bei früheren Abkommen mit den USA akzeptiert, um militärische oder illegale nukleare Aktivitäten zu verhindern. Der geplante Pakt würde Riad zudem von der Verpflichtung entbinden, das «Zusatzprotokoll» der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) zu akzeptieren. Dieses Abkommen soll durch die Genehmigung von unangemeldeten Inspektionen geheime militärische Aktivitäten ausschliessen. Diese Klausel ist angeblich durchweg in den zahlreiche Abkommen zur nuklearen Zusammenarbeit der USA mit Staaten weltweit enthalten.

Kritik kommt primär von Demokraten. Bereits im Mai hat ein Dutzend demokratischer Abgeordneter von US-Aussenminister Marco Rubio gefordert, die Regierung solle sich an strenge, von der UNO unterstützte Protokolle halten, einschliesslich der IAEA-Inspektionen. Die Regierung reagierte mit einer Erklärung, wonach ein «bilaterales Sicherheitsabkommen» mit Riad diskutiert werde – Inspektionen scheinen dazu nicht zu gehören.

Der kalifornische Demokrat Brad Sherman befürchtet daher, dass die Trump-Regierung den Saudis unter der Hand eine «eine militärischen Nutzung der Nuklearenergie gestatten will. … Eine saudische Atomwaffe würde zu einer weltweiten Proliferation führen. Ägypten und die Türkei sähen sich gezwungen, nachzuziehen – und wo stünden dann Argentinien und Brasilien?»

Bis ins vergangene Jahr wollte Washington anscheinend ein ziviles Nuklearabkommen mit Riad an die Normalisierung der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Israel koppeln. Im Mai 2025 hat die Trump-Regierung diese Bedingung an Riad jedoch fallen lassen, so der JI (Link).

Andreas Mink