Der konservative Medienstar Tucker Carlson sorgt innerhalb der Republikanischen Partei weiterhin für heftige Debatten.
Während einige jüdische Republikaner der Ansicht sind, Carlson habe nach seinem Bruch mit Teilen des republikanischen Establishments und seiner Entlassung bei Fox News deutlich an Einfluss verloren, warnen andere davor, ihn zu unterschätzen. Dies berichtet die Jewish Telegraphic Agency (JTA).
Auslöser der Diskussion sind Carlsons anhaltende Angriffe auf die traditionelle republikanische Aussenpolitik, seine Kritik an der engen Unterstützung Israels sowie seine wachsende Popularität bei isolationistischen «America First»-Wählern. Carlson verfügt trotz seines Ausscheidens bei Fox News weiterhin über eine enorme Reichweite über soziale Medien, Podcasts und öffentliche Auftritte. Seine Interviews erzielen regelmässig Millionenpublika.
Der republikanische Kongressabgeordnete Randy Fine aus Florida erklärte laut JTA, Carlson sei nicht mehr die politische Gefahr, für die ihn viele hielten. Andere jüdische Republikaner widersprechen jedoch vehement. Sie verweisen darauf, dass Carlson in den vergangenen Jahren immer wieder Verschwörungserzählungen aufgegriffen habe, die in antisemitischen Kreisen Anklang finden. Zudem habe er Personen aus dem rechtsextremen Spektrum eine Plattform geboten.
Besonders kritisch sehen viele jüdische Konservative Carlsons Haltung gegenüber Israel. Während die Mehrheit der republikanischen Parteiführung die strategische Partnerschaft mit Israel weiterhin als Kernanliegen betrachtet, vertritt Carlson zunehmend eine isolationistische Linie. Er stellt amerikanische Militärhilfen und internationale Verpflichtungen grundsätzlich infrage und fordert eine stärkere Konzentration auf innenpolitische Themen.
Die Debatte erhielt zusätzliche Brisanz durch Spekulationen über Carlsons politische Zukunft. Einige Beobachter halten es für denkbar, dass er selbst für das Präsidentenamt kandidieren könnte oder zumindest erheblichen Einfluss auf die republikanische Vorwahl 2028 ausüben wird. Gerade diese Möglichkeit bereitet vielen jüdischen Republikanern Sorgen. Sie befürchten, dass ein von Carlson geprägter Republikanismus traditionelle Bündnisse der Partei – darunter die enge Beziehung zu Israel – infrage stellen könnte.
Andere Stimmen verweisen dagegen darauf, dass Carlson zwar lautstark auftrete, innerhalb der Parteiorganisation aber über keine eigene politische Infrastruktur verfüge. Zudem sei unklar, ob seine Anhängerschaft gross genug wäre, um in landesweiten Vorwahlen erfolgreich zu sein.
Die Kontroverse verdeutlicht einen grundlegenden Richtungsstreit innerhalb der Republikanischen Partei. Auf der einen Seite stehen klassische konservative und stark proisraelische Kräfte, darunter viele jüdische Republikaner. Auf der anderen Seite gewinnt ein nationalistischer und isolationistischer Flügel an Gewicht, der internationale Verpflichtungen der USA zunehmend skeptisch betrachtet. Tucker Carlson gilt für viele Beobachter als prominentester Vertreter dieser Strömung.
Für jüdische Republikaner ist die Frage deshalb grösser als die Person Carlson selbst. Sie betrifft die künftige Ausrichtung einer Partei, die sich in den vergangenen Jahrzehnten als verlässlicher Partner Israels verstand, nun aber zunehmend von inneren ideologischen Spannungen geprägt wird.
Joseph Strauss