Die Sorge vor Antisemitismus führt zu Plänen in den USA.
Mehrere jüdische Gemeinden in Europa und Nordamerika haben sich wegen des zunehmenden Antisemitismus in ihren Heimatländern an das US-Aussenministerium gewandt und Möglichkeiten einer Einwanderung in die Vereinigten Staaten ausgelotet. Betroffen seien nach Angaben der Nachrichtenagentur JNS insbesondere jüdische Gemeinschaften in Spanien, Frankreich, Grossbritannien und Kanada.
Ein Vertreter des US-Aussenministeriums bestätigte die Kontakte. Ob die US-Regierung entsprechende Anträge auf Flüchtlingsstatus oder andere Schutzprogramme prüfen oder unterstützen wird, ist derzeit offen.
Der Sondergesandte des US-Aussenministeriums zur Bekämpfung des Antisemitismus, Yehuda Kaploun, wollte die Berichte nicht direkt kommentieren. Er betonte jedoch, es sei die Verantwortung der jeweiligen Staaten, ihren jüdischen Bürgern Sicherheit zu garantieren und die freie Ausübung ihrer Religion zu gewährleisten. «Die US-Regierung fordert dies ein», erklärte er gegenüber JNS.
Die Entwicklung spiegelt die wachsende Verunsicherung vieler jüdischer Gemeinschaften wider. In Kanada etwa warnte die Organisation B'nai Brith Canada kürzlich, die jüdische Bevölkerung stelle angesichts einer Rekordzahl antisemitischer Vorfälle zunehmend ihre Zukunft im Land infrage.
Die Anfrage an Washington gilt als aussergewöhnlicher Schritt und verdeutlicht, wie stark die Sorge vor antisemitischer Gewalt und gesellschaftlicher Ausgrenzung in Teilen der Diaspora inzwischen geworden ist.