USA-Politik 12. Jun 2019

Jon Stewart mahnt den US-Kongress zur Pflicht

Jon Stewart

Der Comedian hat erneut den US-Kongress besucht, um eine dauerhafte Finanzierung der Gesundheitsversorgung für Retter und Helfer von 9/11 zu erreichen.

Jon Stewart rang mit Tränen, aber seine Botschaft an den Justiz-Ausschuss des Repräsentantenhauses war klar: Die Abgeordneten sollten endlich ihrer Verantwortung nachkommen und die Gesundheits-Versorgung von Helfern und Rettern an Ground Zero während und nach der Anschläge von 9/11 permanent sichern. Stewart nannte es eine «unglaubliche Metapher», dass er und eine Delegation von «First Responders» am Dienstag für dieses Anliegen erneut nach Washington zurückkehren mussten, während die meisten Mitglieder des Ausschusses nicht einmal zu der Sitzung erschienen waren. Diese Pflichtvergessenheit sei beschämend und ein Schandfleck für die Institution (Link).

Der 56-Jährige setzt sich seit Jahren für Feuerwehrleute, Polizisten und Bauarbeiter ein, die durch ihren Einsatz während und nach der Attacken von 9/11 am World Trade Center bleibende Gesundheitsschäden erlitten haben. Sie haben dort teilweise monatelang eine hochtoxische Mixtur aus Glass-Staub, Rauch und diversen Chemikalien eingeatmet. Der nach den Anschlägen aufgelegte «9/11 Victims Compensation Fund» (VCF) ist mit 7,375 Milliarden Dollar ausgestattet und hat bislang Kosten für 20.000 Betroffene abgedeckt.

Der Fonds sollte bis Dezember 2020 ausgestattet sein. Aber seit Monaten wird deutlich, dass die Gelder aufgrund hoher Behandlungskosten schon in diesem Jahr ausgehen dürften. Wie seinerzeit von topnews berichtet, hat die New Yorker Demokratin Carolyn Maloney im Februar mit dem «Never Forget the Heroes Act» (VCF) einen Gesetzesentwurf eingebracht, der den Fonds solange finanzieren würde, wie es bedürftige Retter gibt (Link).

Seit 9/11 sind über 350 Feuerwehrleute und Polizisten aus New York den Folgen von Vergiftungen erlegen, die sie bei Einsätzen an Ground Zero erlitten haben. Bei den Attacken direkt kamen 366 Polizisten und Feuerwehrleute um (Link).

Einer «First Responder» namens John Feal hat Stewart bei seinem Lobby-Besuch am Kongress erneut begleitet. Feal hat an hunderten Beerdigungen von Helfern teilgenommen und insgesamt Monate an Sitzungen und Events für das Anliegen der Retter verbracht. Feal selbst hat neun Begräbnisse finanziert, weil den betroffenen Familien die Mittel dazu gefehlt hätten (Link).

Bei aller Emotion bewies Stewart am Ende auch politisches Kalkül, indem er Journalisten gegenüber Schuldzuweisungen an Parteien, das Weisse Haus oder einzelne Politiker unterliess. Ob sein Besuch am Kongress Erfolg hatte, ist bislang unklar. 

Andreas Mink