New York City 01. Sep 2026

John Galliano sagt grosse Ausstellung im Met Museum ab

John Galliano

Druck und Proteste jüdischer Persönlichkeiten der Kultur-Szene aufgrund antisemitischer Ausfälle des Modedesigners im Jahr 2010.  

Nach einer Welle zunehmender Kritik hat der Modedesigner John Galliano gestern Montag seine Teilnahme an einer zu seinen Ehren Anfang Mai 2027 geplanten Ausstellung am Mode-Institut des New Yorker Metropolitan Museum of Art (https://www.metmuseum.org/press-releases/john-galliano-horizons) abgesagt. Der 65-Jährige schrieb auf Instagram: «Ich möchte nicht, dass die Debatte um meine Person das Met in eine schwierige Lage bringt oder von der herausragenden Arbeit des Costume Institute ablenkt.» Er verstehe und respektiere auch, «dass eine Ausstellung zu Ehren meines Werks für manche schmerzhaft wäre.»

Die Ausstellung sollte im Rahmen der jährlichen Met-Gala eröffnen und neun Monate lang laufen. Laut der «Nw York Times» hatte ein Sturm der Entrüstung über die Ausstellung ein Crescendo erreicht. Anlass waren antisemitische Verbal-Attacken Gallianos auf ein anscheinend jüdisches Paar in einem Pariser Lokal Ende 2010: «Ich liebe Hitler… Leute wie Ihr wärt alle tot. Eure Mütter, eure Vorfahren wärt alle verdammt noch mal vergasst worden.» Galliano war deshalb 2011 von einem französischen Gericht wegen eines antisemitischen Hassverbrechens verurteilt worden. 

Jüdische Persönlichkeiten sprachen sich gegen die geplante Ausstellung aus. Darunter waren der bedeutende Galerist Arne Glimcher, der drohte, das Museum aus seinem Testament zu streichen; die Stadtrats-Vorsitzende Julie Menin und Elisha Wiesel, der Vorsitzende der Elie-Wiesel-Stiftung. Da die City das Met finanziell mit Millionen Dollar unterstützt, war die geplante Ehrung Gallianos auch zu einem Politikum geworden.

Menin hatte die Museums-Leitung Ende letzter Woche als erste Lokal-Politikerin brieflich zur Absetzung der Ausstellung aufgefordert. Die Demokrat bezeichnete die Show «als schweren Schlag für die jüdische Gemeinde unserer Stadt, die ohnehin schon schwer getroffen ist.»

Nachdem Anfang 2011 ein Video der antisemitischen Äusserungen Gallianos aufgetaucht war, wurde er nach 15 Jahren von seinem Posten als Kreativdirektor bei Dior entlassen. Er und seine Anwälte verteidigten den Vorfall mit Trunkenheit und Stress. Galliano absolvierte eine Entzugskur und suchte das Gespräch mit Rabbinern sowie der Anti-Defamation League. So anscheinend «rehabilitiert», stellte ihn Maison Margiela 2014 als Kreativdirektor an und er erlebte eine Renaissance in der Modewelt.

Am Freitag hatte sich mit Alice Tisch eine prominente Förderin des Museums der Kritik angeschlossen und intervenierte direkt bei Museums-Direktor Max Hollein: die Ausstellung zeuge «von einem Versagen der Museumsleitung». Das Haus solle nicht den Eindruck erwecken, Gallianos Vergangenheit zu beschönigen. Tisch leitete ihre E-Mail an Vertraute weiter und das Schreiben erreichte rasch auch die Medien. Laut der Times haben sie und ihr Ehemann Thomas Tisch zwischen 2020 und 2024 Hunderttausende Dollar an das Met gespendet.

Die Ausstellung geht anscheinend mit auf eine Initiative von Anna Wintour zurück, der ex-Chefredakteurin von «Vogue» und heute Chief Content Officer des Verlags Condé Nast. Sie gehört auch dem Museums-Kuratoriums an und war wesentlich an der Entwicklung der Met Gala zu einer hochkarätig besetzten Benefizveranstaltung entwickelt.

Dem Met waren die Risiken einer derart prominenten Ehrung für den langjährigen Wintour-Schützling bewusst. Vor der Entscheidung für die am 31. Juli bekannt gemachten Ausstellung hatte sich Galliano mit Vertretern der jüdischen Gemeinschaft getroffen. Wer genau dies war, ist anhin unklar. Wintour und Andrew Bolton, der Kurator des Costume Institute, hatten die Treffen mit arrangiert.

Die meisten Teilnehmer sollen nach den Gesprächen überzeugt gewesen, dass Galliano die nötige Reue für seine hasserfüllten Äusserungen von einst zeigte. Wintour liess die Times nach der Ankündigung der Show wissen: «Niemand hat eine Ausstellung in dieser Grössenordnung mehr verdient als John Galliano. Seine Karriere wird nicht durch einen einzigen Moment definiert.»

Dabei hatte zu diesem Zeitpunkt die prominente Reform-Rabbinerin Angela W. Buchdahl eine Einladung Wintours in das Gastgeberkomitee der Gala mit Verweis auf den ohnehin zunehmenden Antisemitismus abgelehnt (Link).
 

Andreas Mink