USA-Politik 13. Jun 2019

Erfolg für Jon Stewart

Einen Tag nach dem Auftritt des Comedian im US-Kongress hat der Justizausschuss einstimmig eine dauerhafte Finanzierung der Gesundheitsversorgung für Retter und Helfer von 9/11 bewilligt.

Der zweite Anlauf brachte den Erfolg. Gestern Mittwoch hat der Justiz-Ausschuss des Repräsentantenhauses einstimmig den «Never Forget the Heroes Act» verabschiedet. Die von der New Yorker Demokratin Carolyn Maloney eingebrachte Vorlage sichert die Gesundheits-Versorgung von Helfern und Rettern an Ground Zero permanent. Wie von topnews berichtet, war Jon Stewart nach einem ersten Auftritt im Februar am Dienstag mit einer Delegation von «First Responders» erneut vor dem Ausschuss aufgetreten. Dabei hielt der 56-Jährige den Abgeordneten eine bewegende Standpauke, die weithin in den US-Medien Beachtung fand. Stewart nannte es eine «unglaubliche Metapher», dass er und die Delegation erneut nach Washington zurückkehren mussten, während die meisten Mitglieder des Ausschusses nicht einmal zu der Sitzung erschienen waren. Diese Pflichtvergessenheit sei beschämend und ein Schandfleck für die Institution (Link).

Nun berichtet die «NewYork Times» über die Hintergründe des Auftritts. Stewart hat nach 9/11 Mediengeschichte geschrieben, als er unter Tränen über das World Trade Center sprach. Er habe die Türme von seinem Apartment aus sehen können: «Sie haben es attackiert – und nun ist dieses Symbol amerikanischer Kreativität, Stärke, Arbeit und Wirtschaft verschwunden.» Er ging in seiner «Daily Show» immer wieder auf das Thema ein und widmete dem Leid der Retter und Helfer 2010 eine ganze Sendung. Nach seinem Abgang kehrte er 2015 an die «Daily Show» zurück, um für die Unterstützung der «First Responders» einzutreten (Link).

Feuerwehrleute, Polizisten und Bauarbeiter haben durch ihren Einsatz während und nach der Attacken von 9/11 am World Trade Center bleibende Gesundheitsschäden erlitten. Sie haben dort teilweise monatelang eine hochtoxische Mixtur aus Glass-Staub, Rauch und diversen Chemikalien eingeatmet. Der nach den Anschlägen aufgelegte «9/11 Victims Compensation Fund» (VCF) ist mit 7,375 Milliarden Dollar ausgestattet und hat bislang Kosten für 20.000 Betroffene abgedeckt.

Seit 9/11 sind über 350 Feuerwehrleute und Polizisten aus New York den Folgen von Vergiftungen erlegen, die sie bei Einsätzen an Ground Zero erlitten haben. Bei den Attacken direkt kamen 366 Polizisten und Feuerwehrleute um (Link).

Nach der Genehmigung durch den Justizausschuss ist die Verabschiedung des Gesetzes durch das Repräsentantenhaus nurmehr eine Formalität. Eine grosse Mehrheit von Abgeordneten unterstützt die Vorlage. Ob der republikanisch dominierte Senat nachzieht, ist jedoch unklar.

Andreas Mink