USA – Politik 06. Okt 2026

Epstein-Affäre als Wahlkampf-Munition

Attacke auf republikanischen Kongressabgeordneten in Colorado.  

In Colorado tritt die Militär-Veteranin Jessica Killin in der Region um Colorado Springs gegen den republikanischen Mandatsträger Jeff Crank für den US-Kongress an. Killin setzt im Gegensatz zur Mehrheit ihrer Partei nicht allein auf «Erschwinglichkeit» und Kritik an Trumps Iran-Krieg. In einem neuen Wahlkampfspot kommen Angehörige von Virginia Giuffre zu Wort – dem wohl bekanntesten Opfer des verurteilten Sexualverbrechers Jeffrey Epstein. Guiffre hat sich im Vorjahr das Leben genommen.

In dem Clip wirft Guiffres Bruder, Sky Roberts, dem Republikaner vor, die Veröffentlichung von Bundesakten zu Epstein blockiert zu haben. Zudem habe es Crank abgelehnt, die Angehörigen von Giuffre zu treffen: «Jeff Crank hat Epsteins Verbrechen vertuscht, um Donald Trump zu schützen… Er hat im Kongress nichts zu suchen.» Roberts und seine Frau Amanda, die ebenfalls in dem Spot zu sehen ist, leben im Wahlkreis von Crank. Die Region ist Heimat einer grossen, evangelikalen Gemeinschaft und galt anhin als konservative Hochburg. Doch laut Umfragen hat Killin Chancen gegen Crank.

Laut der «New York Times» spielt die Epstein-Affäre eine zweitrangige Rolle im laufenden Wahlkampf und wurde seit Anfang Jahr in 35 Kongress-Rennen in Fernseh- oder Online-Spots erwähnt. In vielen dieser Spots traten meist Linksliberale als Vorkämpfer gegen eine sogenannte «Epstein-Klasse» an. Insgesamt ist das Thema aber neben dem Iran-Krieg und Kritik an Israel, vor allem aber KI und Rechenzentren aus dem Rampenlicht verschwunden.

Doch im 5. Wahlbezirk von Colorado kommen Familienangehörigen eines prominenten Epstein-Opfers zu Wort und betonen, Giuffres Selbstmord habe sie motiviert, deren Kampf zur Entlarvung von Epstein fortzusetzen. Roberts bezeichnet sich als parteiunabhängig und sagt, das Paar habe mit etwa 20 Abgeordneten beider Parteien gesprochen – Crank habe sie nicht sehen wollen und habe deshalb eine elementare Aufgabe als Volksvertreter ignoriert: «ein offenes Ohr für die eigenen Wähler zu haben» (Link).

Andreas Mink