Pariser Vizebürgermeisterin entschuldigt sich.
Ein lächelndes Gruppenfoto von Pariser Kommunalpolitikern an Bord eines Flugzeugs auf dem Weg zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau hat in Frankreich eine breite Kontroverse ausgelöst. Nach heftiger Kritik entschuldigte sich der Pariser Vizebürgermeister Jean-Luc Romero-Michel öffentlich und sprach von einer «völlig ungeschickten» Veröffentlichung.
Ein kurzer Moment in sozialen Netzwerken entwickelte sich binnen Stunden zu einer landesweiten Debatte über Erinnerungskultur und politische Kommunikation. Jean-Luc Romero-Michel, Beigeordneter der Stadt Paris für Menschenrechte, hatte in einer Instagram-Story ein Selfie veröffentlicht, das ihn zusammen mit mehreren Pariser Stadträten – darunter Bürgermeisterin Anne Hidalgo – gut gelaunt in einem Flugzeug zeigt. Ziel der Reise war die Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.
Die Bildunterschrift, in der vom «Abflug zur Besichtigung der Todeslager von Auschwitz-Birkenau» die Rede war, stiess vielen Nutzern bitter auf. Der Kontrast zwischen den lächelnden Gesichtern und dem historischen Ort des Massenmords an mehr als einer Million Menschen wurde in sozialen Medien und Talkshows als unangemessen, pietätlos oder zumindest taktlos kritisiert.
Nach dem wachsenden öffentlichen Druck löschte Romero-Michel den Beitrag und bat um Entschuldigung. Er räumte ein, die Veröffentlichung sei «total maladroit», also völlig ungeschickt gewesen, und könne Menschen verletzt haben. Zugleich betonte er, der Besuch diene dem Gedenken an die Opfer der Schoah und der politischen Bildungsarbeit, wie sie von der Stadt Paris jedes Jahr rund um den 27. Januar, den Internationalen Holocaust-Gedenktag, organisiert werde.
Der Politiker beklagte ausserdem, dass die Kritik teilweise in persönliche und homophobe Angriffe umgeschlagen sei. Diese seien nicht hinnehmbar, auch wenn die inhaltliche Diskussion über die Angemessenheit des Fotos legitim sei.
Aus dem Rathaus hiess es, die Reise selbst stehe ausser Frage und sei Ausdruck der Verantwortung gegenüber der historischen Erinnerung. Der Vorfall zeige jedoch, wie sensibel der Umgang mit Bildern und sozialen Medien in einem solchen Kontext sei.
Die Affäre wirft damit über den konkreten Fall hinaus eine grundsätzliche Frage auf: Wie können Politiker in Zeiten permanenter Online-Präsenz dokumentieren, ohne den Ernst historischer Orte und des kollektiven Gedenkens zu unterlaufen?