Teheran kritisiert Washington.
Im Vorfeld der vom 11. Juni bis 19. Juli laufenden Fussball-WM in Nordamerika wirft Iran dem Gastgeber USA vor, Fans und wichtigen Mitarbeitern der Nationalelf Einreise-Visa zu verweigern. Das Team selbst hatte jüngst eine Einladung der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum angenommen, ihr Quartier von Arizona nach Tijuana an der Grenze zu den USA zu verlegen. Iran soll am 15. Juni in Los Angeles auf Neuseeland treffen. Das Team muss zu nun jeden Match einfliegen und darf nicht in den USA übernachten, was erhebliche Belastungen mitbringt.
Iranische Fans dürfen generell nicht in die USA einreisen. Dies gilt auch für ausserhalb der Islamischen Republik lebende iranische Staatsangehörige. Daneben gelten mögliche Demonstrationen von in den USA lebenden Iranern oder US-Bürgern mit dortigen Wurzeln als Sicherheitsrisiko. In Los Angeles – «Teherangeles» – lebt eine grosse iranisch-amerikanische Gemeinschaft, die teilweise den gestürzten Schah unterstützt.
Iranische Diplomaten werfen der Trump-Regierung nun «die denkbar schlimmste Form politisch motivierter Einmischung in den Sport» und die «Ausdehnung ihre willkürlichen Feindseligkeiten gegen die iranische Nation auf den Bereich des Sports» vor. Die Nationalelf könne deshalb nicht «unter normalen Bedingungen und ohne unangemessenen Druck oder Stress an der Weltmeisterschaft teilnehmen».
Das US-Aussenministerium hatte im Vorfeld erklärt, man werde nicht zulassen, dass Iran die WM ausnutzt, «um unter falschem Vorwand Terroristen einzuschleusen». Konkret sind damit Mitglieder oder ehemalige Mitglieder der Revolutionsgarden gemeint, die von Washington als Terrororganisation eingestuft werden. Allerdings sind die Garden formell Teil des Militärs und ziehen daher auch Wehrpflichtige ein. Darunter ist laut «Axios» der Verbandspräsident Mehdi Taj, der allerdings Garden-Offizier war (Link).
Der Iran ist nicht das einzige Land mit Visa-Problemen. So haben die USA dem Schweizer Stürmer Breel Embolo zunächst die Einreise verweigert, dieser aber am Donnerstag doch genehmigt. Am Freitag beklagte Gianni Merlo als Präsident des Internationalen Sportjournalisten-Verbands (AIPS) gegenüber der FIFA die «Verweigerung von Einreisevisa für ordnungsgemäss akkreditierte Kollegen» aus dem Iran und Afrika: «Die Fälle sind zahllos und inakzeptabel.» Damit werde die viel gepriesene Rolle des Sports als Brücke zwischen jungen Menschen in verfeindeten Ländern ins Gegenteil verkehrt (Link).