USA-Politik 15. Jan 2020

Debatte der Demokraten ohne Gewinner

Als Einzige aus dem Sechser-Pack konnte Amy Klobuchar (ganz rechts) herausstechen.

Zwanzig Tage vor Beginn der Vorwahlen für die US-Präsidentschaft trafen sechs Bewerber in Iowa aufeinander. Senatorin Amy Klobuchar liess aufhorchen.

Bei nurmehr sechs Teilnehmern bot die siebte Debatte der Demokraten für die Präsidentschafts-Nominierung mehr Zeit als je zuvor für eine Profilierung und starke Momente. Diese blieben am gestrigen Abend bei der auf CNN und dem Des Moines Register übertragenen Veranstaltung jedoch weitgehend aus. Daher dürfte das momentane Ranking bei Umfragen mit Joe Biden und Bernie Sanders an der Spitze, gefolgt mit etwas Abstand von Pete Buttigieg und Elizabeth Warren, weitgehend bestehen bleiben.

Biden schien besser vorbereitet, hinterliess aber erneut keinen inspirierenden Eindruck. Seine Antworten kamen stockend, erschienen einstudiert und voll Klischees. Am Ende wiederholte der 76- Jährige das Versprechen, er werde als Präsident «die Seele Amerikas heilen». Dass er vorher einen Spiessrutenlauf an Lügen, Hasspropaganda und skrupellosen Manövern von Seiten Donald Trumps zu bewältigen haben würde, scheint Biden nicht registriert zu haben.

Denn eigentlich liegt hier das grösste Problem der Demokraten: Ihnen scheint der Machthunger Trumps und der Republikaner zu fehlen. Damit ist nicht eine Sanktionierung sämtlicher Mittel für einen Sieg gemeint. Aber Biden machte erneut einen demütigen Eindruck den Moderatoren gegenüber und achtete in fast peinlicher Manier auf die Einhaltung der ihm zugewiesenen Redezeiten. Er mag dies für «Anstand alter Schule» halten. Aber wenn bei diesen Wahlen tatsächlich die Zukunft der amerikanischen Demokratie und des Planeten auf dem Spiel steht – wie Biden selbst und die anderen Bewerberinnen und Bewerbern erklärten – dann scheint ein Engagement mit härteren Bandagen geboten.

Erschien Biden überfordert, so nutzte Amy Klobuchar die längere Zeit im Rampenlicht vermutlich am besten. Die Senatorin aus Minnesota erschien kämpferisch, kompetent und bodenständig, brachte zudem immer wieder Humor ins Spiel und verfiel nie etwa in die erneut von Sanders gebotenen Tiraden. Dazu überschritt sie unverfroren ihre Redezeiten und signalisierte so Dringlichkeit und Stehvermögen. Ob ihr dies hilft, werden Umfragen und Spenden zeigen.

Die Kandidaten zeigten sich weitgehend bewandert in allerlei Sachthemen und führten durchweg an Fakten orientierte Streitgespräche darüber. Erstaunlich war hier, dass die Anliegen von Afroamerikanern und Latinos als wichtigen Blöcken der Basis kaum zur Sprache kamen. Und trotz ausgedehnter Dispute wurden praktisch nie Gewinner oder Verlierer bei diesen Sachdebatten deutlich.

Höchst merkwürdig verlief indes die Auseinandersetzung über das mit grösster Spannung erwartete Thema. Sanders hat Warren anscheinend 2018 privat erklärt, eine Frau könne die Präsidentschaft nicht gewinnen. Wie von topnews berichtet, hat er entsprechende Meldungen übers Wochenende dementiert. Warren gab am Montag eine knappe Erklärung ab, wonach Sanders dies tatsächlich gesagt habe. An der Debatte wiederholte Sanders nervös und wortreich seine Leugnung. Warren brachte anschliessend erneut ihre Position vor – aber sie verzichtete darauf, nachzusetzen und Sanders in die Enge zu treiben.

Dies mag ehrenhaft wirken und einer Mischung aus moralischen Gefühlen und Partei-Solidarität entspringen. Aber Warren signalisierte hier womöglich auch, dass ihr die für einen Sieg über Trump notwendige Härte und Machthunger fehlen. Stattdessen verweigerte sie Sanders am Ende der Debatte einen Handschlag (Link).

Andreas Mink