Die Nazis raubten der Familie Lewenstein das kubistische Werk unter nicht ganz geklärten Umständen in den Niederlanden.
Laut einer Erklärung vom Dienstag gibt das Art Institute of Chicago das kubistische Gemälde «Frau mit Fächer» des französischen Künstlers Jean Metzinger an Erben der niederländischen Familie Lewenstein zurück. Das Ölgemälde aus dem Jahr 1913 ging während eines Zwangsverkaufs in den Niederlanden während der NS-Zeit verloren. Laut Jacques Schuhmacher, dem Leiter der Provenance-Forschung des Museums, bleiben trotz intensiver Anstrengungen seiner Abteilung erhebliche Lücken in der Geschichte des Gemäldes.
Das Werk tauchte in den 1950er-Jahren auf dem niederländischen Kunstmarkt wieder auf, wurde in Galerien in Paris und New York ausgestellt und gelangte 1959 als Geschenk des Ehepaars Kunstadter in den Besitz des Art Institute. Schuhmachers Experten hatten dank moderner Infrarot-Technologie einen kaum lesbaren Namen auf der Rückseite des Gemäldes entdeckt: Paul Citroen. Dieser war ein niederländischer Kunsthändler in Berlin und den Niederlanden und hatte das Werk 1928 an den Kunstsammler Emmanuel Lewenstein verkauft. Damit stand für Schuhmacher die Verbindung zwischen dem Gemälde und der Familie Lewenstein fest: «Mithilfe dieser Hinweise führten wir in Zusammenarbeit mit der Mondex Corporation weitere Recherchen durch.»
Das Art Institute hatte 2024 eine grosse Provenance-Abteilung gegründet, die jüngst auch bei eine Prozess um eine Zeichnung von Egon Schiele aus dem Jahr 1916 mit dem Titel «Russischer Kriegsgefangener» engagiert war. Dieses kann laut einem aktuellen Urteil in New York beim Art Institute of Chicago verbleiben. Das Haus beharrt darauf, die Zeichnung 1966 rechtmässig erworben zu haben. Im Gegensatz dazu sei das Metzinger-Gemälde der jüdischen Familie entwendet und zwangsweise verkauft worden, während die Schiele-Zeichnung stets in einem Familienbesitz verblieben und erst mehr als zehn Jahre nach dem Krieg von dieser verkauft worden sei.
Im Fall von «Frau mit Fächer» werden die Erben der Lewensteins von der in Toronto ansässigen Kanzlei Mondex vertreten, die auf die Rückführung von Raubkunst aus dem Holocaust spezialisiert ist (https://chicago.suntimes.com/art/2026/09/22/art-institute-of-chicago-re…).