Paris 27. Jan 2026

Antisemitismus in drei Viertel der EU-Schulklassen dokumentiert

UNESCO-Studie zur neuen Studie Antisemitismus in EU-Klassenzimmern.  

Eine neue UNESCO-Studie zeigt ein alarmierendes Ausmass von Antisemitismus in europäischen Schulen: In mehr als 78 Prozent der befragten Klassen haben Lehrkräfte antisemitische Vorfälle erlebt, so der Bericht «Addressing antisemitism through education», der anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags veröffentlicht wurde. 
Die Untersuchung basiert auf Antworten von 2030 Lehrpersonen aus 23 EU-Staaten. Mehr als ein Viertel der Befragten gab an, neun oder mehr antisemitische Zwischenfälle unter Schüler beobachtet zu haben. Besonders beunruhigend sind die Zahlen zu Holocaust-Leugnung und -Verzerrung: 61 Prozent der Lehrkräfte berichteten über entsprechende Aussagen im Unterricht, 11 Prozent sogar häufig. 
Auch offene Gewalt ist kein Einzelfall: Rund 10 Prozent beobachteten mindestens einmal einen physischen Angriff auf jüdische Schüler, und fast die Hälfte der Lehrkräfte sah Nazi-Gesten oder das Zeigen von Nazi-Symbolen im Schulalltag. 
Trotz dieser verbreiteten Vorfälle fühlten sich viele Lehrpersonen unzureichend vorbereitet: 70 Prozent hatten keine professionelle Fortbildung zur Erkennung oder Bewältigung von Antisemitismus erhalten, weniger als ein Drittel hatte an externen Schulungen teilgenommen. 
UNESCO-Generaldirektor Khaled El-Enany betonte im Zusammenhang mit der Veröffentlichung, dass Hassrede und antisemitische Einstellungen in Europas Schulen auf einem Niveau seien, das seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr beobachtet worden sei. 
Die Organisation kündigte begleitende Massnahmen an: Neben einem Leitfaden für Lehrkräfte und Studien zur Darstellung von Judentum und Antisemitismus in Schulbüchern gehören dazu Online-Kurse und ein europaweites Trainingsprogramm für Pädagogen, das gemeinsam mit der EU-Kommission und der OSZE ausgebaut wird, um Lehrkräfte besser zu unterstützen. 

Redaktion