KANADA 05. Aug 2022

Also auch in Kanada

2021 wurden Hakenkreuze an die Eingangstüren der Gemeinde Shaar Hashomayim in Montreal gesprüht.

Anwachsen antisemitischer Straftaten repräsentiert internationalen Trend.

380’000 Juden leben in Kanada, sie repräsentieren gerade mal 1% der Gesamtbevölkerung. Doch was ein Polizeibericht über Hasskriminalität für das Jahr 2021 offenlegt, ist beunruhigend. Juden waren bei 14% der Hass- und Gewaltakte die Opfer, das ist ein Anwachsen antisemitischer Vorfälle um 47% gegenüber dem Jahr 2020. Shimon Koffler Fogel, Chef des Zentrums für Israel und jüdische Angelegenheiten, ist besorgt: «Wir machen uns grosse Sorgen […] Dieser verstörende Trend zeigt ganz deutlich, dass proaktive Massnahmen notwendig sind, um den wachsenden Hass zu stoppen, den diverse Kanadier aufgrund ihrer Identität ausgesetzt sind.» Nur schwarze Kanadier, die etwa 3,5% aller Kanadier ausmachen, erlebten zahlenmässig mehr Hasstaten als Juden, allerdings nicht im prozentualen Anwachsen. Insgesamt wurden 1,3 von 1000 Juden Opfer von Hass und Gewalt 2021. Was sich in Kanada abspielt, ist ein internationaler Trend, ob in den Niederlanden, Frankreich, Grossbritannien oder Deutschland, überall wächst der Antisemitismus. Das statistische Amt Kanadas warnt allerdings vor voreiligen Schlüssen. Die Zahlen könnten zwar einen tatsächlichen Anstieg von Hasstaten zeigen, aber möglicherweise, so das Amt, habe der Anstieg auch damit zu tun, dass inzwischen mehr Gewaltakte zur Anzeige kommen als früher. Doch selbst wenn das so wäre, es wird die jüdische Gemeinschaft in Kanada sicher nicht ruhiger schlafen lassen.

Richard C. Schneider