Trotz heftiger Proteste gegen die Teilnahme Israels an der 61. Kunstbiennale in Venedig hat der israelische Pavillon am Wochenende seine Türen geöffnet. Im Zentrum steht der israelisch-rumänische Künstler Belu-Simion Fainaru mit seiner Installation «Rose of Nothingness», die jüdische Mystik, Spiritualität und zwischenmenschliche Verbundenheit thematisiert. Fainaru, der 2019 bereits Rumänien an der Biennale vertreten hatte, zeigt ein Werk aus tropfenden Bewässerungsröhren, die Wasser in ein Becken leiten. Die Röhren basieren auf Technologien des israelischen Unternehmens Netafim für Landwirtschaft in trockenen Regionen. Der Wasserzyklus dauert jeweils 42 Sekunden, eine Zahl, die laut Fainaru auf schöpferische Kräfte der jüdischen Mystik verweist. Ergänzt wird die Installation durch Schlösser mit eingravierten Botschaften wie «Alles wird gut». An den Türen des Pavillons befestigte der Künstler zudem Mesusot. «Manche Besucher küssen die Mesusa beim Eintreten», sagte Fainaru. Viele hätten nicht erwartet, in einem Biennale-Pavillon auf ein so offen jüdisches Symbol zu treffen. Gleichzeitig berichtete der 66-Jährige, zahlreiche andere Künstlerinnen und Künstler hätten ihn besucht und ihm erzählt, dass auch sie jüdisch seien. Überschattet wurde die Eröffnung von politischen Spannungen. Vergangene Woche demonstrierten rund 2000 propalästinensische Aktivisten gegen Israels Teilnahme, zeitweise kam es zu Zusammenstössen mit der Polizei. Auch die Jury der Biennale trat zurück. Fainaru zeigte sich überrascht vom Ausmass der Proteste. Kunstbiennalen seien früher Orte der Freiheit und Kreativität gewesen, sagte er. Trotzdem betont der Künstler, dass das Publikum vor allem über die Kunst sprechen wolle, nicht über Politik.
Belu-Simion Fainaru
15. Mai 2026
Zwischenwelt
Emily Langloh