Der israelische Sänger Noam Bettan hat sich am Dienstagabend für das Finale des 70. Eurovision Song Contests in Wien qualifiziert – trotz lautstarker Protestrufe während seines Auftritts in der Wiener Stadthalle. Bettan trug sein Lied «Michelle» auf Französisch, Hebräisch und Englisch vor, während aus dem Publikum Rufe wie «Stop the genocide» zu hören waren, die zu Beginn des Songs auch im Livestream deutlich vernehmbar waren. Der österreichische Gastgeber ORF hatte zuvor angekündigt, keine Anti-Buh-Technologie in der Arena einzusetzen. Mehrere Personen wurden während der israelischen Darbietung, die als zehnter Beitrag des Abends auf der Bühne stand, von Sicherheitskräften aus der Halle eskortiert. Nach dem Auftritt teilten die Europäische Rundfunkunion (EBU) und ORF mit, dass eine Person, die sich nahe einem Mikrofon befunden und lautstark Stellung bezogen hatte, vom Sicherheitsdienst entfernt worden sei. Insgesamt wurden vier Zuschauer wegen störenden Verhaltens des Saals verwiesen. Bettan selbst zeigte sich unbeeindruckt. Nach dem Verlassen der Bühne sagte er dem israelischen Rundfunk Kan: «Die Buhrufe haben mich nicht gestört – ich habe mich auf die israelischen Fahnen konzentriert.» Israels Teilnahme steht in diesem Jahr erneut im Zeichen politischer Kontroversen. Fünf Länder, darunter Irland, boykottieren den Wettbewerb. Die EBU hat zudem als Reaktion auf Bedenken nach Israels überwältigenden Televoting-Ergebnis im Vorjahr ein Reformpaket beschlossen: Jurys wurden wieder in die Halbfinals eingeführt, die maximale Stimmenzahl pro Person von 20 auf 10 halbiert, und sogenannte «unverhältnismässige Promotionskampagnen» wurden untersagt.Das Finale findet am Samstag, dem 16. Mai, in Wien statt.
Wien
15. Mai 2026
Israel am Eurovision-Finale
Redaktion