kino 15. Mär 2019

Ein schwieriges Familienerbe

Morgane Ferru, Jeshua Dreyfus, Miriam Joya Strübel, Dimitri Stapfer, Katja Kolm und Dani Levy (v. l. n. r.) während einer der Vorpremieren des Films «Sohn meines Vaters».

Seit dieser Woche läuft der Schweizer Film «Sohn meines Vaters» in den Kinos – an den Vorpremieren sprachen Regisseur und Darsteller persönlich darüber.

Es war ein Heimspiel: Zur Vorpremiere der Familien-Dramödie «Sohn meines Vaters» im Kult.Kino Atelier in Basel kam der Schauspieler Dani Levy zurück in seine Heimatstadt, und auch Regisseur Jeshua Dreyfus fühlte sich in der Stadt, in der er einst studiert hatte, sichtlich wohl. Vor ausverkauftem Saal wurde der Streifen, ausgezeichnet mit dem Basler Filmpreis 2018, auf Schweizerdeutsch mit französischen Untertiteln gezeigt. Im Anschluss hatte das Publikum die Möglichkeit, der zahlreich vertretenen Crew Fragen zu stellen. Anwesend waren nicht nur die Produzenten Sabine Girsberger und Kaspar Winkler, auch die Schauspieler und der Komponist der Filmmusik, Michael Kunstle, kamen auf die Bühne, um über ihr Schaffen zu berichten. Alle Beteiligten schienen sichtlich stolz und zufrieden, den Film nun endlich der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Lange Entstehungsgeschichte
Mehrere Vorpremieren waren restlos ausverkauft – ein wohlverdienter erster Erfolg für Regisseur Jeshua Dreyfus, der mehrere Jahre an dem Film gearbeitet hat. Wie er berichtete, kam ihm die Idee zum Film bereits im Jahr 2012. Seitdem wirkte er an seinem Projekt, dessen Entstehungsgeschichte somit mehr als sechs Jahre dauerte. Er habe in dieser Zeit «ein Kind gemacht», so der Regisseur, aber sonst nicht viel anderes als den Film. Alleine die Auswahl der geeigneten Schauspieler habe Jahre gedauert, so Dreyfus. Er sei auf der Suche nach einem perfekten Zusammenspiel gewesen. Daraufhin meinte Dani Levy, der im Film in der Rolle des Vaters brilliert, er habe zu Beginn des Castings eigentlich den Part des Sohnes übernehmen sollen.

Ganz nach dem Motto «Was lange währt, wird endlich gut» ist ein sensibler, langsam dahinfliessender und eindrücklicher Film entstanden, der die Zuschauer mit einem bedrückenden Gefühl zurücklässt – auch wenn es durchaus komische Szenen gibt. In «Vater meines Sohnes» wird intensiv aufgezeigt, wie ein Kind auch noch im Erwachsenenalter unter dem Druck seiner Eltern zu leiden hat – und sich für deren Probleme verantwortlich fühlt. So scheint es von Simon (Dimitri Stapfer) abzuhängen, die Ehe seiner Eltern zu retten: Nur wenn er anstelle seiner Mutter Agnes (Sibylle Canonica) das Buch seines Vaters, des Psychiaters Karl Kaufmann, transkribiert, können seine Eltern gemeinsam in die Ferien reisen.

Typisch jüdisch?
Simon widerstrebt diese Arbeit, zumal er als Comiczeichner kurz vor einer Ausstellung in der Galerie seiner Freundin (Miriam Joya Strübel) und unter Zeitdruck steht. Dennoch gibt er dem Drängen seiner Mutter, die kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht, nach und lässt sich auf die Arbeit seines Vaters, der die freie Liebe predigt und seine Geliebte (Katja Kolm) sogar zum Schabbat-Essen anlässlich seines 60. Geburtstags einlädt, ein. Die deutlich jüngere Geliebte heisst Sonja, ist eine ehemalige Patientin und die heutige Sekretärin des Vaters. Simons Widerstand gegen die ihm auferlegte Arbeit ist spürbar, er wird widerwillig immer mehr in das Leben seines Vaters hineingezogen – und spätestens als auch er eine Affäre mit Sonja beginnt, scheint sein altes Leben gänzlich aus den Fugen zu geraten. Die Schauspieler, die trotz der langen Entstehungsgeschichte des Films nur 30 Tage Zeit für den Dreh hatten, gehen überzeugend in ihren Rollen auf. Jeshua Dreyfus hat in seiner kurzen Karriere bereits von sich reden gemacht, indem er unter anderem 2010 den Basler Filmpreis für «Die Terrassentüre» und 2013 den Berner Filmpreis (Nachwuchsförderpreis) für «Halb so wild» gewonnen hat. Bei seinem neuen Film muss Jeshua Dreyfus sich als Sohn von Robert Dreyfus, Psychiater und Gründer des «Zentrums der Einheit Schweiben­alp», offensichtlich immer wieder die auch in Basel gestellte Frage gefallen lassen, inwiefern sein Film autobiografische Züge aufweist. Er sagt, der Film zeige das Milieu auf, in dem er aufgewachsen sei, jegliche Handlung aber sei frei erfunden. Und auf die Frage, ob die komplizierte Beziehung zwischen Eltern und Kindern ein typisch jüdisches Thema sei, antwortet Dani Levy: «Ist nicht alles irgendwie typisch jüdisch?»

 

Valerie Wendenburg