Der polnische Regisseur Michal Kosakowski beschäftigt sich seit Jahren mit den dunkelsten Kapiteln der Geschichte. Nun widmet er sich in seinem neuen Dokumentarfilm «Holofiction» der Frage, wie der Holocaust im Kino dargestellt wurde und wie diese Bilder das kollektive Gedächtnis prägen. Für das Projekt sichtete Kosakowski über acht Jahre hinweg mehr als 3000 Spielfilme und Fernsehproduktionen über den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg. Aus Tausenden Szenen entstand ein filmisches Archiv, das wiederkehrende Motive sichtbar macht: Deportationszüge, Nationalsozialisten in jüdischen Wohnungen oder Gesichter voller Angst und Verzweiflung. Ausgangspunkt war eine Debatte mit dem jüdischen Regisseur Claude Lanzmann, dem Schöpfer der Dokumentation «Shoah». Lanzmann vertrat die Ansicht, der Holocaust lasse sich nicht angemessen darstellen. Kosakowski wollte untersuchen, wie Filmemacher dennoch versucht haben, Bilder für das Unfassbare zu finden. Besonders bemerkenswert sind seine Aussagen zur Gegenwart. Mit Blick auf den zunehmenden Antisemitismus erklärte Kosakowski, der selbst nicht jüdisch ist: «Der 7. Oktober war ein Akt des Nationalsozialismus.» Gleichzeitig betonte er die Bedeutung historischer Bildung und warnte davor, Begriffe wie Holocaust oder Faschismus unbedacht zu verwenden. Für Kosakowski ist «Holofiction» deshalb nicht nur ein Film über die Vergangenheit. Angesichts von Kriegen in Europa und im Nahen Osten sowie dem Wiedererstarken autoritärer Bewegungen gewinne die Beschäftigung mit den Mechanismen von Gewalt und Ausgrenzung neue Aktualität. Sein Ziel sei es, besonders junge Menschen zum Nachdenken über Geschichte, Erinnerung und Verantwortung anzuregen.
Michal Kosakowski
05. Jun 2026
Darstellung
Emily Langloh