Jerusalem 23. Jan 2026

Aus Zerstörung gedacht

Mit der neuen monumentalen Installation «Ages of the World» im Israel-Museum zeigt der deutsche Künstler Anselm Kiefer ein Werk, in dem zentrale Motive seines jahrzehntelangen Schaffens zusammengeführt werden. Die Arbeit erinnert an zerstörte Landschaften nach einer Katastrophe, ob durch Naturereignisse oder menschliches Handeln verursacht, und zeichnet das Bild einer düsteren, nachapokalyptischen Zukunft. Zerstörung und Verfall stehen dabei nicht für ein Ende, sondern markieren einen Übergang. Kiefer versteht Chaos als Voraussetzung von Schöpfung und Verwüstung als notwendige Bedingung für Neubeginn. Diese Haltung prägt «Ages of the World» grundlegend. Unterschiedliche Materialien und Techniken verbinden sich zu einer raumgreifenden Installation, in der historische, mythologische und materielle Schichten aufeinandertreffen. Die Arbeit macht sichtbar, wie aus Zerfall neue Bedeutungen entstehen können und wie Vergangenheit und Zukunft ineinandergreifen. Ergänzt wird die Installation durch Werke aus der Sammlung zeitgenössischer Kunst des Museums, darunter auch jüngste Neuerwerbungen. Diese stehen in bewusstem Dialog mit Kiefers Arbeit und greifen deren Vielschichtigkeit auf. Sie beleuchten das Zusammenspiel von Materie, Raum und Zeit aus unterschiedlichen Perspektiven und erweitern den Blick auf die Themen Zerstörung, Wandel und Erneuerung. So entsteht ein offenes Gefüge, das zur eigenständigen Auseinandersetzung mit den dargestellten Bildern und Ideen einlädt.

Seit Donnerstag, 18. Dezember 2025, ohne Enddatum. Israel Museum, Jerusalem.
www.imj.org.il

Emily Langloh