Naomi Ragen 15. Okt 2026

Absage

Die israelische Schriftstellerin Naomi Ragen muss auf eine geplante Theateraufführung in Chicago verzichten. Die jüdische Kulturorganisation Arts Judaica hat die Neuinszenierung ihres Stücks «Women’s Minyan» abgesagt. Grund seien Befürchtungen von Schauspielern, Regisseuren und Bühnenbildnern, eine Zusammenarbeit mit der 77-Jährigen könne ihren Karrieren schaden. Das Stück aus dem Jahr 2001 erzählt von einer ultraorthodoxen Frau, die versucht, einer gewalttätigen Ehe zu entkommen. Für März 2027 waren 13 Vorstellungen vorgesehen. Doch die künstlerische Leiterin Elayne LeTraunik zog das Vorhaben zurück. Beteiligte hätten sich an Ragens offen zionistischer Haltung und ihrer Unterstützung der israelischen Regierung gestört. Auch ein möglicher Geldgeber habe Bedenken geäussert. Ragen, 1949 in New York geboren, wanderte 1971 nach Israel aus und lebt in Jerusalem. Bekannt wurde sie mit Romanen wie «Sotah» und «The Sacrifice of Tamar», in denen sie besonders die Lebensrealität orthodoxer jüdischer Frauen beleuchtet. In politischen Kommentaren verteidigt sie Israels Vorgehen gegen die Hamas. Die Absage bezeichnet Ragen als Rückkehr zum McCarthyismus, bei dem Künstler nach ihrer politischen Haltung beurteilt würden. LeTraunik macht sie dennoch keinen Vorwurf. Jüdische Kulturinstitutionen stünden unter erheblichem Druck. Für Ragen ist der Fall Ausdruck eines grösseren Problems.

Emily Langloh