Jerusalem 16. Okt 2026

Wahlkampf spitzt sich zu

Knapp zwei Wochen vor der Parlamentswahl in Israel zeichnet sich ein zunehmend persönlicher Machtkampf zwischen Ministerpräsident Netanyahu und Gadi Eisenkot ab. Während die politischen Lager in den Umfragen feststecken, versuchen beide, ihre Parteien zu stärken. Gemäss der Analyse von Journalistin Ravit Hecht könnte damit auch die Frage an Bedeutung gewinnen, wer eine mögliche Einheitsregierung führen würde. Eine solche Zusammenarbeit wird öffentlich allerdings weiterhin zurückgewiesen. Trotz interner Rivalitäten sieht Hecht die Opposition organisatorisch besser aufgestellt. Alle Parteien des Eisenkot-Lagers haben Reststimmenabkommen geschlossen, die bei der Mandatsverteilung Vorteile bringen können. Im Netanyahu-Lager verweigert Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir dagegen ein entsprechendes Abkommen mit Ofer Winter. Dessen neue rechte Partei schwankt in den Umfragen an der Sperrklausel. Ein Scheitern könnte das Regierungslager entscheidende Stimmen kosten. Der Rückzug des Kandidaten Davidi Ben Zion verschärft Winters Schwierigkeiten. Eisenkot wirbt zugleich um liberalere religiöse Zionisten und versucht, seinen Führungsanspruch innerhalb der Opposition durchzusetzen. Seine Partner erkennen diesen bislang nicht offiziell an. Naftali Bennett konzentriert sich unterdessen verstärkt auf junge Wähler. Die Demokraten verlieren laut der Analyse Stimmen an Eisenkot; ihre Unterstützung für den Ausschluss des Balad-Vorsitzenden Sami Abu Shehadeh habe zudem arabische Wähler entfremdet. Entscheidend bleibt, welches Lager seine Stimmen am Wahltag tatsächlich in Mandate umsetzen kann.

Redaktion