Ende Juni kommen Tausende jüdische Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt in Israel für die Maccabiah zusammen – die «jüdischen Olympischen Spiele» verbinden seit fast einem Jahrhundert Sport und jüdische Identität.
Die Geschichte der Maccabiah begann nicht in Israel, sondern in Europa. Erste Makkabiaden fanden 1929 in Prag und 1930 in Antwerpen statt. Zwei Jahre später zog die Bewegung ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina um. Für die Maccabiah 1932 wurde am nördlichen Rand von Tel Aviv das erste Sportstadion des Landes gebaut und gerade noch rechtzeitig fertiggestellt. 390 Athleten aus 18 Ländern nahmen an den Spielen teil. Zu den Bildern, die bis heute mit der ersten Maccabiah dort verbunden werden, gehört Tel Avivs erster Bürgermeister Meir Dizengoff, der die Eröffnungsparade auf einem weissen Pferd anführte.
Die Organisatoren wählten das Jahr bewusst: Genau 1800 Jahre zuvor hatte der Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer begonnen. Die Maccabiah sollte sportlichen Wettkampf mit jüdischem Selbstbewusstsein und dem zionistischen Gedanken verbinden. Was einst mit 390 Athleten begann, ist heute eine der grössten internationalen Multisportveranstaltungen der Welt, die alle vier Jahre jüdische Sportlerinnen und Sportler aus Dutzenden Ländern vereint.
«More Than Ever»
Die 22. Maccabiah steht unter dem Motto «More Than Ever» – «Mehr denn je». Eigentlich hätten die Spiele bereits letztes Jahr stattfinden sollen. Aufgrund der Sicherheitslage und des Krieges mit Iran im Juni 2025 wurden sie jedoch verschoben. Nun rechnen die Organisatoren mit mehr als 8000 Athletinnen und Athleten aus rund 55 Ländern, die in rund 45 Sportarten antreten werden. Die Spiele sollen damit zur grössten internationalen jüdischen Zusammenkunft in Israel seit dem 7. Oktober 2023 werden. Während internationale Schlagzeilen seit Monaten von Krieg, Raketenangriffen und politischen Spannungen geprägt sind, will die Maccabiah ein anderes Bild zeigen: Menschen aus aller Welt, die sich bewusst für eine Reise nach Israel entscheiden.
Die Schweiz bleibt dabei
Die Schweiz gehört seit der ersten Maccabiah 1932 zu den teilnehmenden Ländern. Auch in diesem Sommer reist eine Delegation von 13 Athletinnen und Athleten nach Israel. Vertreten sind die Sportarten Fechten, Tennis, Tischtennis, Schach und der Maccabi Run. Die Teilnehmer stammen aus Zürich, Genf, Lausanne, Biel und Lugano. Die Jüngsten sind erst 15 Jahre alt, der älteste Teilnehmer ist 70 Jahre.
Gerade diese Mischung macht für Léonie Kelly, Vorstandsmitglied von Maccabi Schweiz, den besonderen Charakter der Spiele aus. Anders als bei vielen internationalen Wettkämpfen treten hier Jugendliche, Amateure und erfahrene Athleten gemeinsam unter derselben Flagge an. Kurz vor der Abreise wird die Delegation den israelischen Botschafter in der Schweiz, Tibor Shalev Schlosser, sowie dessen Stellvertreter treffen. Die Athletinnen und Athleten sollen dabei ihre Sportarten und ihre persönliche Motivation vorstellen.
Die Vorbereitung verlief diesmal anders als bei früheren Austragungen. Fragen zur Sicherheit waren allgegenwärtig. Maccabi Schweiz stand in engem Austausch mit den Organisatoren und anderen Delegationen. Im Zentrum standen Sicherheitsfragen, Versicherungen und Reiseplanung. Dennoch blieb die Bereitschaft zur Teilnahme erstaunlich hoch. «Ich war positiv überrascht: Es gab kaum Unsicherheiten», sagt Kelly rückblickend auf einen ersten Austausch mit den Athletinnen und Athleten. Besonders bemerkenswert: Mehrere Mitglieder der Schweizer Delegation waren bereits für die ursprünglich geplanten Spiele 2025 angemeldet gewesen. Die Verschiebung änderte nichts an ihrer Entscheidung.
Begegnungen statt Grenzen
Neben den Wettkämpfen gehört die internationale Begegnung zum Kern der Maccabiah. Auch die Schweizer Delegation erhofft sich neben sportlichen Erfolgen vor allem prägende Erfahrungen und neue Kontakte.
Für Doron Bollag, Präsident von Maccabi Schweiz, erhält dies in diesem Jahr besonderes Gewicht: «Unsere Teilnahme an der Maccabiah 2026 ist ein Statement der Solidarität und des Zusammenhalts mit der globalen Sportbewegung von Maccabi. Unseren hochmotivierten Sportlern auch in diesen Zeiten die Möglichkeit geben zu können, sich mit jüdischen Sportlern aus aller Welt an einer Maccabiah in Israel messen zu können, sehen wir als Pflicht, aber auch als Privileg an. Die Maccabiah 2026 unterstreicht mit ihrem Motto ‹More than ever›, dass die jüdische Gemeinschaft zusammensteht und durch den Sport ein Zeichen der Hoffnung setzt.»
Fast ein Jahrhundert nach ihrer Premiere bleibt die Maccabiah damit das, was ihre Gründer einst beabsichtigten: ein Sportfest, das Menschen zusammenbringt. In diesem Jahr vielleicht mehr denn je.