Zum dritten Jahrestag des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 hat die Berner Historikerin, Publizistin und Kulturveranstalterin Hannah Einhaus einen offenen Brief an sämtliche Mitglieder des Berner Stadt- und Gemeinderats geschickt. Darin warnt sie vor zunehmendem Antisemitismus und Gewaltaufrufen in der Bundesstadt und fordert die Politik zu entschiedenerem Vorgehen auf. Seit dem 7. Oktober seien Hassbotschaften und Gewaltsymbole im Berner Stadtbild alltäglich geworden, schreibt Einhaus. Sie nennt rote Hamas-Dreiecke sowie Parolen wie «Kill your local Zionists» oder «Death to Zionism». Diese seien keine Kritik an Israels Regierung oder dem Krieg in Gaza, sondern richteten sich gegen jüdische Selbstbestimmung. Ein Davidstern, eine Kippa oder selbst eine hebräische Unterhaltung seien für Jüdinnen und Juden im Berner Alltag inzwischen zum «Risikofaktor» geworden. Auch das jüdische Kulturleben sei betroffen. Bei Veranstaltungen zu jüdischen Themen müsse Einhaus private Sicherheitsdienste engagieren und dafür einen erheblichen Teil ihres Kulturbudgets einsetzen. Sie kritisiert zudem die mittlerweile rund 30 «Apartheid Free Zones» in Bern und wirft der Stadt vor, bei antisemitischen Parolen und Gewaltaufrufen zu häufig wegzuschauen. Das Schreiben erfolgt auch mit Blick auf eine für Sonntag angekündigte Demonstration unter dem Motto «Wir kommen wieder, reissen Zionismus nieder». Einhaus fordert die politisch Verantwortlichen auf, sich klar gegen Hass und Gewalt sowie hinter die Sicherheitskräfte zu stellen. «Öffentliche Sicherheit gilt für alle», schreibt sie. Für Veranstaltungen ihres Kulturvereins Tayelet70 hat sie eigene Regeln gegen antisemitische und gewaltverherrlichende Symbole und Parolen aufgestellt. «Hass beginnt in den Köpfen. Die Haltung dagegen auch», so Einhaus.
Bern
09. Okt 2026
Warnung vor Judenhass
Emily Langloh