luzern 21. Aug 2026

Sternstunde der Verständigung

Wenn das West-Eastern Divan Orchestra auf dem Programm steht, darf das Publikum Grosses erwarten. Das Ensemble enttäuschte nicht und riss die Zuhörenden im Luzerner KKL vor Begeisterung von den Sitzen. In der ersten Konzerthälfte verzauberte der Star-Cellist Yo-Yo Ma den Saal. Mit technischer Brillanz und tiefer Emotionalität durchdrang er Antonín Dvořáks Cellokonzert in h-Moll. Die pure Spielfreude war dem weltberühmten Solisten ins Gesicht geschrieben. Immer wieder wandte er sich beglückt lächelnd einzelnen Registern zu oder suchte Blickkontakt zu seinem langjährigen Freund Daniel Barenboim (Mitte) am Dirigentenpult. Yo-Yo Ma ist dem visionären Orchester seit der Gründung 1999 eng verbunden und gehört zu seinen Ehrenmitgliedern. Wie tief diese Verbundenheit reicht, zeigte sich am Schluss des Werks auf besonders berührende Weise: Noch bevor sich der Ausnahme-Musiker dem jubelnden Publikum zuwandte, umarmte und herzte er reihum Orchestermitglieder aus Israel, Palästina und anderen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas ausgiebig. Ein starkes, sichtbares Zeichen der Völkerverständigung direkt auf der Bühne. Nach der Pause folgte mit Robert Schumanns 3. Sinfonie, der «Rheinischen», ein gelungener Gegenpol: lebensfroh, unbeschwert und voller Energie. Der 83-jährige, von der Parkinson-Krankheit gezeichnete Daniel Barenboim führte das Ensemble mit gewohnter Souveränität durch die Partitur. Auch hierfür erntete der Maestro frenetischen Applaus sowie stehende Ovationen. 

Rita Schwarzer