Führende Rabbiner haben zu dem Protest in Jerusalem aufgerufen. Ein Redner habe die Wehrpflicht dabei mit dem Holocaust verglichen, meldeten das Blatt sowie die israelische Nachrichtenseite «ynet».
Streng religiöse charedische Männer waren in Israel jahrzehntelang von der Wehrpflicht befreit. Diese Ausnahmeregelung lief jedoch vor rund anderthalb Jahren aus. Der israelischen Regierung gelang es nicht, ein neues Gesetz zu verabschieden, um diesen Sonderstatus für die Ultraorthodoxen zu zementieren.
Seitdem gibt es immer wieder grosse Proteste streng religiöser Juden gegen ihre Rekrutierung. Viele Ultraorthodoxe empfinden den Militärdienst als Bedrohung ihres frommen Lebensstils, unter anderem, weil Frauen und Männer gemeinsam dienen.
Die Armee hat dagegen auch wegen des langen Gaza-Kriegs eindringlich vor einem drastischen Mangel an kampffähigen Soldaten gewarnt. Viele Israelis empfinden es zudem als ungerecht, dass ultraorthodoxe Juden vom Dienst an der Waffe und gefährlichen Kampfeinsätzen ausgenommen sind.
Die Kundgebung in Jerusalem richtete sich auch gegen einen neuen Gesetzentwurf, der die Befreiung der Ultraorthodoxen regeln soll, der einigen von ihnen aber nicht weit genug geht.
Der Streit um die Wehrpflicht für streng religiöse Männer gilt auch als Gefahr für den Fortbestand der rechtsreligiösen Koalition des Ministerpräsidenten Binyamin Netanyahu.