Der vorige Woche von CBS News entlassene TV-Veteran Scott Pelley stellt seine Sicht des Disputs um die Linie des Senders nach der Übernahme durch David Ellison dar.
Am Wochenende hat Scott Pelley der «New York Times» ein erstes Interview nach seiner Entlassung bei dem Nachrichtenmagazin «60 Minutes» auf CBS News gegeben. Der prominente TV-Journalist wirft Chefredakteurin Bari Weiss vor, den Sender auf die Linie von Trump zu bringen und fordert ihre Ablösung.
Weiss habe keinerlei Erfahrung im Fernsehgeschäft und auch nie zuvor einen grossen, weltweit agierenden Betrieb wie CBS News geleitet. Pelley tat die von Weiss und dem neuen Eigner David Ellison – der wie sein Vater, der Oracle-Mitgründer Larry Ellison als Unterstützer Trumps gilt – geäusserte Kritik, der Sender müsse modernisiert und «ins Internetzeitalter gebracht werden» als «schlichtweg verlogen» ab. Dies geschehe schon seit Jahren. Er schilderte zudem, wie Weiss «Unwahrheiten und Voreingenommenheit» in einen seiner Beiträge über die Proteste in Minneapolis vom Januar erzwingen wollte, bei denen ICE-Beamte zwei Menschen erschossen hatten. Weiss habe kurz vor der Sendung – und vier Stunden nach der Deadline für den Beitrag – gefordert, Demonstranten «gewalttätiger darzustellen» und damit einen ICE-Agenten als Opfer eines Angriffs von Renee Good darzustellen, die dann von dem Beamten erschossen wurde.
CBS News wies diese Darstellung inzwischen zurück und erklärte, Weiss habe lediglich einen gängigen «redaktionellen Austausch» über Details des Beitrags unternommen. Pelley behauptet indes, er habe seinerzeit den Eindruck gewonnen, dass Weiss zugunsten der Regierung Einfluss nehmen wollte: «Sie achtete ständig auf die Ansichten des Präsidenten. Wir berichteten über diese Ansichten. Daran ist nichts auszusetzen, aber es war nie genug.» Das «grössere Problem» sei jedoch «nicht politische Einflussnahme… Das Problem war die Inkompetenz». Weiss habe die gesamte Sendung mit ihrer Intervention gefährdet.
Am Ende kam die Frage: «Glauben Sie, dass Bari Weiss entlassen werden muss?» Pelleys Antwort war eindeutig: «Oh, absolut, ja». Weiss sei «eine wunderbare Person» und mit ihrer Medienplattform «Free Press» erfolgreich gewesen: «Aber Fernsehen ist einfach nicht ihr Ding.» Ihr die Leitung von CBS News anzubieten, sei, als ob er gebeten würde, «eine 747 mit 400 Menschen an Bord nach Paris» zu fliegen: Es wäre viel besser gewesen, wenn Weiss auf das Job-Angebot reagiert hätte: «Oh, das ist nichts für mich; ich weiss gar nicht, wie das geht» (Link).