Deutlicher Erfolg trotz zunehmender Probleme.
Bereits Minuten nach Schliessung der Wahllokale um 20 Uhr Ortszeit erklärte die Nachrichtenagentur AP bei den demokratischen Vorwahlen in Maine den Favoriten Graham Platner zum Gewinner. Der 41-jährige Ex-Marine und Austernzüchter lag bei Redaktionsschluss mit 75 Prozent vor der amtierenden Gouverneurin Janet Mills, die ihre Kandidatur bereits im April dank schlechter Umfragen und miserabler Spendeneinnahmen aufgegeben hatte.
Mills verwies jedoch in den letzten Tagen angesichts einer Serie von Skandalen um Platner auf die Präsenz ihres Namens auf Stimmzetteln. Dies fiel jedoch offenkundig nicht auf fruchtbaren Boden. Damit wird Platner Herausforderer der republikanischen Amtsinhaberin Susan Collins. Dieses Rennen wird bei den Wahlen im November mit über Mehrheit in der Oberen Kongresskammer – und damit die zweite Hälfte der Trump-Regierung entscheiden. Von daher ist die Aufmerksamkeit für den als Linkspopulisten auftretenden Platner nur zu verständlich.
Er hat nach Affären um eine Abzeichen der Waffen-SS abgekupferte Totenkopf-Tätowierung, umstrittene Social Media-Posts aus seiner Vergangenheit und Sexting-Vorwürfe von Anfang Monat nun auch mit Anschuldigungen übergriffigen Verhaltens gegenüber ex-Freundinnen zu kämpfen. Dazu kommen Zweifel an seiner Selbstdarstellung als «Working Class» – immerhin betreibt die Mutter ein grosses, bestens gehendes Restaurant, das ihm den Grossteil seiner Austern abnimmt. Der Vater ist ein bekannter Anwalt und hat Platner mit einem Kredit für einen Hauskauf unterstützt.
Jüdischen Linksliberalen macht zudem Platners scharfe Kritik an Israel als Völkermörder in Gaza und Manipulator Trumps in den Iran-Krieg Bauchschmerzen. Platner will sämtliche Hilfen für Israel einstellen und hat Collins unterstellt, Gelder von der AIPAC angenommen zu haben. Sie sei «von Binyamin Netanyahu gekauft und bezahlt, und sie stimmt entsprechend ab».
Nun dürfte zu erwarten sein, dass viele Skeptiker bei den Demokraten sich hinter Platner stellen – den amtierenden Präsidenten als «grösseres Übel» vor Augen (Link).