Grossbritannien 30. Mär 2026

König Charles III. als Verbündeter der britischen Juden

König Charles III. 

Am Tag nach dem verheerenden Brandbombenanschlag gegen vier Ambulanzen einer jüdischen Wohltätigkeitsorganisation, vor einer Synagoge im vorwiegend jüdischen nordwestlondoner Stadtviertel Golders Green übernahm König Charles III. das Patronat der jüdischen Sicherheitsorganisation Community Security Trust (CST).

Am 6. November 1995 flog der damalige Oberrabbiner Jonathan Sacks mit dem damaligen Prince of Wales Charles und dem Labour-Chef Tony Blair in  einer Maschine der Royal Air Force von Israel nach London. Die Delegation hatte am Begräbnis des ermordeten israelischen Premiers Ytzhak Rabin teilgenommen. Zwanzig Jahre später erinnerte sich Sacks daran, dass auf diesem achtstündigen Flug eine lebenslängliche, tiefe Freundschaft zwischen dem künftigen Monarchen und dem Oberrabbiner entstanden war. Fasziniert hatte der Prinz of Wales gelauscht, als Sacks eine kleine hebräische Bibel hervorgenommen und die Parashat HaShavua für den kommenden Schabbat vorgelesen hatte.
Als Sacks im November 2020 verstarb sagte Charles, er habe einen echten, bleibenden Freund verloren. Karen Pollock, die Vorsitzende des Holocaust Educational Trust betonte, die Übernahme des Patronats über den CST sei gleichbedeutend mit der Botschaft des Königs an die britischen Juden: «ich bin mit Euch». Als der König nach dem mörderischen Anschlag auf die Heaton Park Synagoge in Manchester letzten Oktober an den Schauplatz des Anschlags reiste, standen die Juden in der Synagoge auf und riefen dem Monarchen spontan zu: «God bless the King».
Die Wurzeln der Solidarität des Monarchen mit der jüdischen Gemeinschaft Grossbritanniens gehen zurück auf Prinzessin Alice von Griechenland, seine Grossmutter, Mutter seines Vaters Prinz Philip. Die tapfere Frau hatte in den 1940er Jahren Juden vor der Verhaftung durch die Gestapo gerettet und sie in ihrem Haus in Athen untergebracht. In Yad Vashem wurde Alice als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt, sie ist auf dem Oelberg begraben. Der damalige Prinz Charles besuchte ihr Grab in den Jahren 2016 und 2020, während seiner zweiten und seiner dritten Israel-Reise.
Der heutige Oberrabbiner, Sir Ephraim Mirvis sagte, dass in den vielen Dialogen mit dem König habe seine Majestät «ein tiefes Interesse an der jüdischen Religion und an jüdischen Traditionen» gezeigt. Er manifestiere Mitgefühl mit jüdischem Leiden. Letztes Jahr besuchte der Monarch Auschwitz und hielt mit Mühe seine Tränen zurück, als er zum Gedenken der Befreiung des Konzentrationslagers vor 80 Jahren einen  Kranz niederlegte.
Übrigens wurde Charles beschnitten – und zwar von Rabbiner Jacob Snowman im Dezember 1948, einer auf die Regierungszeit von Königin Victoria zurück gehende Tradition.
 

Charles E. Ritterband