Die «Jerusalem Post» warnt in einem Artikel von Dienstag eindringlich vor Forderungen, den inhaftierten Mörder des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Yitzchak Rabin freizulassen.
Anlass ist ein Vorfall, bei dem ein älterer Aktivist verletzt wurde, nachdem er ein Plakat entfernt hatte, das die Freilassung von Yigal Amir verlangte.
Die Zeitung betont, dass der Angriff strafrechtlich aufgeklärt werden müsse – unabhängig von der politischen Haltung der Beteiligten. Noch schwerer wiege jedoch die zunehmende öffentliche Kampagne, Amir als Opfer oder politischen Gefangenen darzustellen. Dies überschreite eine fundamentale Grenze demokratischer Debatten.
Yigal Amir erschoss Yitzchak Rabin am 4. November 1995 nach einer Friedenskundgebung in Tel Aviv, weil er dessen Oslo-Politik ablehnte. Die «Jerusalem Post» erinnert daran, dass der Anschlag nicht nur einem Menschen galt, sondern der israelischen Demokratie selbst: Amir habe versucht, politische Entscheidungen mit Gewalt statt durch Wahlen zu bestimmen.
Zwar dürfe über Rabins Politik und die Oslo-Abkommen weiterhin kontrovers diskutiert werden. Die Rehabilitierung eines politischen Attentäters sei jedoch keine legitime politische Position, sondern ein Angriff auf die demokratische Ordnung. Amir sei kein politischer Gefangener, sondern ein verurteilter Mörder, dessen Tat Israel bis heute präge.