Jerusalem 04. Okt 2026

Gaza-Krieg hätte ein Jahr früher enden können

Nitzan Alon, 2024.

Israels ehemaliger Geiselbeauftragter macht Kritik öffentlich.

Der frühere Geiselbeauftragte der israelischen Armee, Generalmajor der Reserve Nitzan Alon, hat die Dauer des Gaza-Krieges kritisiert. Israel hätte die Geiseln nach seiner Einschätzung rund ein Jahr früher zurückholen können, ohne die strategischen Ergebnisse des Krieges wesentlich zu verändern. Bei einer Onlineveranstaltung des Washington Institute for Near East Policy sagte Alon am Freitag, ein früheres Abkommen hätte möglicherweise auch Geiseln gerettet, die während ihrer Gefangenschaft ums Leben kamen. Zudem hätten auf beiden Seiten möglicherweise Tausende Menschenleben verschont werden können.  

Alon, der nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 die Bemühungen der Armee um die Rückkehr der Geiseln koordinierte, verwies auf Spannungen zwischen den Kriegszielen: der Zerschlagung der Hamas und der Befreiung der Verschleppten. Die letztlich erreichte Schwächung der Hamas wäre jedoch wesentlich früher möglich gewesen. Das Abkommen vom Oktober 2025 habe gegenüber früheren Möglichkeiten keinen entscheidenden strategischen Vorteil gebracht.  

Die Parole vom «totalen Sieg» wies Alon zurück. Bei Ministerpräsident Binyamin Netanyahu hätten sich strategische und ideologische Überlegungen mit politischen Zwängen und möglicherweise persönlichen Interessen vermischt. Welcher Faktor ausschlaggebend gewesen sei, könne er nicht beurteilen. Israel brauche eine Führung, die die Realität anerkenne und konkrete Perspektiven für Sicherheit, Wirtschaft und Gesellschaft biete. Die Demonstrationen für die Freilassung der Geiseln hätten ihm während der Verhandlungen persönlich Kraft gegeben, sagte Alon.  

Redaktion