Jüdische Themen und Persönlichkeiten bei der Preisverleihung am Sonntag.
Am Sonntag wurde John Lithgow in der New Yorker Radio City Music Hall für seine Hauptrolle als Roald Dahl in dem Stück «Giant» mit seinem dritten «Tony» ausgezeichnet. Das Stück hatte im März am Broadway Premiere, wurde ursprünglich 2024 in London uraufgeführt und schildert die letztlich erfolglosen Bemühungen, Dahl zur Rücknahme antisemitischer Äusserungen über den Libanonkrieg von 1982 zu bewegen.
Mit der Auszeichnung wurde laut JTA Lithgows Bemühen gewürdigt, Dahl als emotional vielschichtigen Menschen darzustellen. Der 80-jährige Mime erklärte dazu im Vorfeld: «Wer weiss schon, woher Antisemitismus oder irgendeine Form von Intoleranz rührt? Bei der Arbeit an der Rolle habe ich einfach nach den seelischen Verletzungen gesucht». Lithgow sieht «Hass auf das Andere» als Äusserung von Verletzungen oder einem Ringen mit «inneren Dämonen».
Bei der Preisannahme ging Lithgow nicht auf das Thema ein und sagte lediglich: «Es ist ein Stück über Grausamkeit in einer grausamen Zeit.» Zudem würdigte er den jüdischen Autor des Stücks, Mark Rosenblatt. Lithgow wurde damit obendrein zu ältesten Mann, der je einen regulären Tony Award gewonnen hat.
Bei der 79. Verleihung der Tony Awards gingen etliche Preise an jüdische Kreative. Gastgeberin war die Rockmusikerin P!nk, die sich öffentlich und voller Stolz zu ihrer Identität als jüdische Mutter bekannt hat. Caissie Levy gewann den Preis als beste Hauptdarstellerin für ihren Auftritt in «Ragtime», einer Neuinszenierung des Musicals nach dem Roman von E.L. Doctorow (1975). Das Stück schildert die Verbindungen zwischen einem schwarzen Musiker und jüdischen Einwanderern im New York des frühen 20. Jahrhunderts.
Alden Ehrenreich gewann den Preis als bester Nebendarsteller für seine Rolle in «Becky Shaw», Shoshana Bean wurde für ihre Darstellung in «The Lost Boys» – einem Stück über eine Familie, die in die Welt der Vampire hineingezogen wird – als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Ihr Kollege Ali Louis Bourzgui nutzte seinen Preis als bester Nebendarsteller in einem Musical in «The Lost Boys» für eine Kritik an Israel. Vampire seien «ein Symbol für jene, die ihre eigene Menschlichkeit aufgegeben haben, um ein nicht existierendes Gefühl der Überlegenheit zu erlangen.» Ein Beispiel dafür seienKolonialherren».
Bourzgui erntete lautstarken Beifall, als er den Preis unter anderem folgenden Gruppen widmete: «dem palästinensischen Volk, das ein erfülltes, freies und ganzes Leben ohne Besatzung verdient … arabischen Theatermachern und Künstlern ..., damit unsere Menschlichkeit unbestreitbar wird und unsere Familien nicht länger als blosser Kollateralschaden abgetan werden können.» Bourzguis Vater stammt aus Marokko (Link).